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Weder Politik noch Standesvertretung KBV verstehen die Radiologie – Kommentar & Fazit

Das erste Mal seit vielen Jahren müssen radiologische Praxen spüren, dass die GKV-Honorare sinken. Die Selbstverwaltung hat auf nicht geringen Druck der Politik wirklich Ernst gemacht und kappt die Honorare der Radiologen. Jede Praxis braucht nun eine individuelle Strategie, wie sie damit umgeht.

Stand heute ist es für die meisten Bundesländer nur sehr eingeschränkt möglich, Prognosen zu den Wirkungen der neuen EBM-Bewertungen zu treffen. Die föderalistische Struktur schafft einen Flickenteppich, bei dem es schwer fällt, den Überblick zu behalten. Für Radiologen in Länder-KVen wie Baden-Württemberg und Bayern wird sich vermutlich nichts Gravierendes ändern, während ihre Kollegen in Hamburg oder Nordrhein die volle Härte der Reform spüren. Das fördert nicht gerade die berufspolitisch dringend gebotene Einigkeit. Gehen wir mal davon aus, dass diese „kleine“ EBM-Reform nur der Anfang ist. Zwar ist nicht damit zu rechnen, dass eine mengenbegrenzende Abstaffelung der Bewertung von Geräteleistungen, wie sie z.B. aus Westfalen-Lippe gefordert wird, schnell kommt. Aber auch über eine neu strukturierte GOÄ wird lange debattiert und es ist nicht ganz ausgeschlossen, dass in der nächsten Legislatur eine Bundesregierung ihre Zustimmung erteilt.

Nicht zu vergessen, dass die Wissenschaftliche Kommission für ein modernes Vergütungssystem (KOMV) kürzlich angeregt hat, zumindest die Struktur der Gebührenordnungen und die betriebswirtschaftlichen Kalkulationsmethoden zu vereinheitlichen. Wenngleich die Kommission zur Einsicht gekommen ist, dass die Vereinheitlichung von Preisen nicht angezeigt ist, so bleibt offen, inwiefern die Radiologie in den nächsten Jahren mit Reformen klarkommen muss.

 


Wettervorhersage oder Fazit: Es bleibt durchwachsen

Die KBV streicht weiter weiße Salbe über die Unzulänglichkeiten der EBM-Kalkulation und macht sich damit zum Erfüllungsgehilfen einer populistischen Gesundheitspolitik: Apparate sind schlecht, Gespräche sind gut.

Kein Wort davon, dass die tatsächliche Kostenstruktur einer radiologischen Praxis durch die Systematik des DeStatis in keiner Weise repräsentiert wird. Dadurch wird die gesamte Kalkulation erheblich verfälscht. Beispiele gefällig:

  • Die Einnahmen und Aufwendungen einer Arztpraxis im Rahmen der Kostenstrukturerhebung des Statistischen Bundesamtes werden auf der Basis der Anzahl der Praxisinhaber, nicht aber auf der Basis der jeweils zur Verfügung stehenden KV-Arztsitze ermittelt. Dadurch können die Daten nicht als grundsätzlich repräsentativ für die EBM-Kalkulation verwendet werden.
  • Es werden ausschließlich Daten aus der steuerlichen Überschussrechnung der Arztpraxen herangezogen. Gerätekosten, die bei einigen Praxen als Sonderbetriebsausgaben einzelner Gesellschafter enthalten sind und somit nicht in der steuerlichen Überschussrechnung der Arztpraxis erscheinen, werden daher nicht berücksichtigt.
  • In der Kostenstrukturerhebung des Statistischen Bundesamtes werden Wartungskosten nicht als separate Kostenart erfasst und ausgewiesen, sondern sind in den „Sonstigen betrieblichen Aufwendungen“ enthalten. Diese fließen in die STABS-Kalkulation aber nur als indirekte Kosten ein. Sie werden im Unterschied zu direkten Kosten nur über einen einheitlichen Verrechnungsschlüssel auf die einzelnen EBM-Leistungen umgelegt. Der wartungskostenintensive Schnittbildbereich wird damit nicht repräsentativ abgebildet.

Das alles ist nicht neu. Das Radiologienetz hat diese und andere Kritikpunkte bereits 2012 in den gemeinsam mit dem Institut für Gesundheitsökonomik (Professor Dr. Günther Neubauer) erstellten Gutachten ausführlich benannt. Leider sind weder der Berufsverband noch die Institutionen der Selbstverwaltung oder gar die Politik darauf eingegangen.

Der Ruf der Radiologen als Großverdiener unter den Niedergelassenen ist sowieso schlecht, die Gruppe vergleichsweise klein und ohne kontinuierliches Lobbying berufspolitisch nicht optimal aufgestellt. Offenbar sieht die KBV-Führung keinen akuten Handlungsbedarf. Im Gegenteil: Aus KV-Kreisen ist zu hören, dass auf Druck einzelner KVen die KBV an einer fixkostendegressiven Bewertung der Kernspintomographie arbeitet. Offenbar soll je Vollzeit-Arztstelle nur noch eine festgelegte Anzahl an MRT-Untersuchungen mit der vollen Bewertung versehen werden, Überschreitungen werden dann nur noch deutlich geringer bewertet. Damit zögen eigentlich den Honorarverteilungsmaßstäben der regionalen KVen vorbehaltene Mengenbegrenzungen in die Gebührenordnung ein. Ein weiterer Dammbruch?


 

Ihr Ansprechpartner

Carsten Krüger
ckg@curagita.com

 

 

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