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Versuchen Sie, „harte Befunde“ zu erstellen!

Im Gespräch mit dem ärztlichen Geschäftsführer der Conradia Radiologie München, Professor Dr. Lars Grenacher

CuraCompact: Herr Professor Grenacher, was sagen Sie zu den Empfehlungen Ihrer Kollegen aus Übersee im gerade erschienenen Artikel „How to create a great radiology report“?

Prof. Grenacher: Die Befundqualität ist ein wichtiges Thema. Insbesondere in einer großen Praxis wie der unseren, sollten die Befunde einem Qualitätsstandard entsprechen, auch wenn sie von vielen verschiedenen Kollegen erstellt werden.

CuraCompact: Was gehört Ihrer Meinung nach zu einem Conradia-Qualitätsstandard?

Prof. Grenacher: Grundlegende Basics für die Befunderstellung sind aus meiner Sicht folgende Punkte:

  • Die Gliederung des Befundberichts in Befund und Beurteilung
  • Die Bewertung der im Befund beschriebenen radiologischen Auffälligkeiten im Rahmen der Beurteilung – das ist die eigentliche akademische Leistung!
  • Die Beantwortung der Fragestellung gemäß Überweisungsschein
  • Unbedingte Nutzung des kollegialen Vier-Augenprinzips bei Unsicherheiten
  • Effizienz- und Qualitätssicherung durch die Verwendung von Textbausteinen
  • Last but not least: die klinische Adäquanz der Befundberichte. Damit meine ich einmal die angemessene Ausführlichkeit der Beantwortung einer Fragestellung – Telegrammstil mit nur 2-3 Zeilen Länge geht gar nicht! Aber eben auch die korrekte Beschreibung von Pathologien. Beispielsweise sind „multisegmentale degenerative Veränderungen der LWS“ kein radiologischer Befund!

CuraCompact: Bekommen Sie Feedback von Ihren Zuweisern bezüglich der Befundqualität?

Prof. Grenacher: Natürlich erhalten wir Rückmeldungen, wenn auch – wie das immer so ist – eher in Form von Beschwerden, wenn die von mir oben ausgeführten Qualitätskriterien in der Praxis nicht umgesetzt werden. Der Befundbericht ist für die Kollegen das A und O und macht uns Radiologen erst wertvoll und unersetzbar in der Zusammenarbeit. Daher ist mir das Thema im ärztlichen Team sehr wichtig. Ich rege auch an, „harte Befunde“ zu erstellen.

CuraCompact: Was genau meinen Sie mit „harten Befunden“?

Prof. Grenacher: Oft lese ich in Beurteilungen und Befundbeschreibungen den Satz „stark eingeschränkte Beurteilbarkeit“ durch dies oder jenes (Verwacklungen, Atemartefakte, Metall, unkooperativer Patient etc.). Dadurch schränkt man die eigene Befundqualität stark ein und der Zuweiser wird immer denken, die Untersuchung ist misslungen, also kein Ergebnis und keine Antwort auf seine Fragestellung. In Wirklichkeit haben wir Radiologen doch den Auftrag, das Bestmögliche aus der Untersuchung rauszuholen.

Wenn jemand eine Hüft-TEP hat (zum Beispiel) dann kann man doch die Frage nach Analfisteln völlig uneingeschränkt beantworten. Das Metall macht doch tief perineal hier gar nichts. Oder Zahnimplantat-Artefakte beschränken doch die Fragestellung zum Ausschluss des Vorhandenseins von Hirn-Metastasen (fast) nie. Durch die Relativierungen entstehen aber beim Leser des Befundberichts falsche Eindrücke. Auch wenn vielleicht wenig erfahrene Radiologen sich eine Hintertür offenhalten wollen, dass sie einen entscheidenden Befund eventuell wegen eines Artefaktes nicht sehen konnten: diese radiologische Rückversicherung ist fast immer unnötig und ich ermutige meine Kollegen, „harte Befunde“ zu erstellen. Sie sollen lieber beispielsweise schreiben: „Trotz der Metallartefakte in der axialen T2 haste Sequenz gute Beurteilbarkeit der Anatomie: Keine Fistel, keine Metastase oder was auch immer!“

Ich bin mir sicher, dass die Empfänger des Befunds, in der Regel die Zuweiser, die Klarheit der „harten Befunde“ schätzen!

CuraCompact: Vielen Dank für das Gespräch.

Lesen Sie zum Thema auch den Beitrag Creating a better radiology report

 

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