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Und nun das Wetter: Tief Jens im Anflug – wenig Sonne, viele Wolken, gebietsweise stürmisch

Erst im Februar legte das Orkantief Sabine weite Teile von Deutschland lahm. Auf die ambulante Radiologie könnte nun im Gefolge der EBM-Reform ab dem zweiten Quartal ein länger anhaltendes Tief zukommen.

„Wir sind froh, dass wir diese EBM-Reform jetzt abgeschlossen haben und das im Wesentlichen, ohne übermäßige Verwerfungen zu produzieren“. Für Radiologen müssen die Worte von KBV-Chef Dr. Andreas Gassen Mitte Dezember 2019 angesichts dieser Ergebnisse wie Hohn klingen. Keine andere Arztgruppe hat in Bezug auf ihre Hauptleistungen Verluste im zweistelligen Prozentbereich zu tragen. Doch der Reihe nach:

Nach langen Verhandlungen haben sich Kassenärztliche Bundesvereinigung und GKV-Spitzenverband auf eine „kleine EBM-Reform“ zum 1. April 2020 verständigt. Zwar liegen die Anfänge der Reform schon lange zurück: Bereits 2012 beschloss der Bewertungsausschuss, Änderungen der vertragsärztlichen Gebührenordnung vorzunehmen. Eine Einigung wurde allerdings immer durch die Forderungen aus Politik und Krankenkassen nach Punktsummenneutralität verhindert.  Aus Sicht der Kassen sollten höhere Bewertungen bestimmter Leistungen durch die Abwertung anderer Leistungen gegenfinanziert werden. So stehen am Ende keine höheren Ausgaben bei der Gesamtvergütung zu Buche. Dabei stand immer schon im Fokus, die sogenannte „zuwendungsorientierte, sprechende Medizin“ zu Lasten der „kalten Apparatemedizin“ aufzuwerten.

Im vergangenen Jahr hat das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) weiteren Druck in die Debatte gebracht. Der Gesetzgeber hat die Selbstverwaltung per Gesetz verpflichtet „die Angemessenheit der Bewertung von Leistungen zu aktualisieren, die einen hohen technischen Leistungsanteil aufweisen“ (§ 87 SGB V). Dahinter steht die unbewiesene Meinung, dass Medizintechnik im Verlauf von 15 Jahren seit Einführung des EBM im 2. Quartal 2005 erheblich billiger geworden sei und somit die „Preise“ für diese Leistungen überteuert seien. Die Forderung nach einer ausgabenneutralen Bewertungsänderung hat die Bundesregierung natürlich nicht aufgegeben.

Im Ergebnis musste sich die Ärzteseite geschlagen geben, wenngleich der KBV-Vorstand nun zu Protokoll gibt, dass künftig EBM-Reformen ohne zusätzliches Geld mit der Ärzteseite nicht mehr zu machen seien. Ob er das am Ende tatsächlich bestimmen kann?

Unterm Strich kommt es zu den erwarteten Absenkungen der Leistungsbewertungen bei den technischen Fächern. Hiervon sind die Radiologie, Strahlentherapie sowie Nuklearmedizin betroffen. Hausärzte, einige Fachärzte und die Fachgruppen der Psychotherapie, Psychosomatik, Psychiatrie, Neurologie und Nervenheilkunde erhalten dagegen mehr Honorar für ihre Gesprächsleistungen. Auch die Gesprächsanteile in den fachärztlichen Leistungen werden aufgewertet. Dies führt in der Radiologie zu einer um ca. 38 % höheren Bewertung der Konsiliarpauschalen (GOP 24210 – 24212). Die nuklearmedizinische Pauschale (GOP 17210) bleibt unverändert. Mittelgroße Abschmelzungen gibt es beim Röntgen, während die Schnittbilddiagnostik mit -12 % beim CT und -13% bei der Kernspintomographie hart getroffen wird. Ähnlich sind die Verluste für die Nuklearmedizin.

Die Reform bezieht sich ausschließlich auf die Leistungsbewertung; die Struktur des EBM und die Leistungsbeschreibungen bleiben unverändert. Es wurden keine neuen Leistungen (z.B. Kardiologie, Prostata)  hinzugefügt. Die bisherige Kalkulationsmethode (STABS) wurde grundsätzlich beibehalten. Anpassungen gab es in drei Punkten:

  • Der kalkulatorische Arztlohn wurde von 105.571,80 Euro auf 117.060 Euro angehoben.
  • Die neuen Leistungsbewertungen sind zum Großteil durch Anpassung der Kalkulationszeiten entstanden. Damit trägt der Bewertungsausschuss dem technischen Fortschritt Rechnung. Lag dieser Zeitansatz z.B. bei der Kernspintomographie bislang bei 21 Minuten, wurde er nun um 1/3 auf nur noch 14 Minuten gekürzt. Da jede Leistung für technischen (TL) und ärztlichen (AL) Leistungsanteil mit Minutenwerten in € hinterlegt ist, gehen alleine dadurch schon die Wertansätze nach unten.
  • Logisch ist dann aber auch, dass die Prüfzeiten, also die Zeit, mit der eine Leistung in die Tages- bzw. Quartalsprofile bei der Plausibilitätsprüfung eingeht, ebenfalls sinken. Beim MRT werden nun nur noch 9 statt bislang 14 Minuten in Ansatz gebracht. Das sowieso schon geringe Risiko, wegen der Überschreitung der Auffälligkeitsgrenze von 780 Stunden/Quartal mit einer Plausibilitätsprüfung konfrontiert zu werden, sinkt damit deutlich.
  • Die Kalkulation der Praxiskosten wurde auf Basis der Kostenstrukturstatistik des Statistischen Bundesamtes (DeStatis) aktualisiert; eine Forderung des Gesetzgebers. Dass dies die tatsächliche Kostenstruktur einer radiologischen Praxis nicht repräsentiert, ist allseits bekannt (siehe dazu auch den Kommentar).

 

Für Radiologie und Nuklearmedizin ergeben sich beispielhaft folgende Änderungen:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Informieren Sie sich hier im Detail:

EBM Radiologie nach Reform mit Abweichungen

 


 

Ihr Ansprechpartner

Carsten Krüger
ckg@curagita.com

 

 

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