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Sicherheit, Aufklärung, Wissen: Das Conradia Hygienekonzept in der Coronakrise

 

 

 

 

 

 

Die Coronakrise erreichte Deutschland in einer raschen Welle. Binnen kürzester Zeit mussten Praxen ihre Hygieneprozesse an die sich täglich zuspitzende Situation anpassen. Die Conradia mit deutschlandweit 24 MVZ-Standorten benannte mit Prof. Dr. Thomas Henzler einen Koordinator aus der ärztlichen Geschäftsführung, der dem DeRaG-Vorstand beim Krisenmanagement beratend zur Seite stand.

 

CC: Was genau war Ihre Aufgabe als Mediziner und Berater des Vorstands in dieser Ausnahmesituation?

Prof. Dr. Thomas Henzler: Im März überschlugen sich die Ereignisse. Natürlich hatten wir bis dato bereits ein funktionierendes Hygienemanagement. Aber es hatte keiner einen Notfallplan für eine Krise von diesem Ausmaß in der Schublade. So war es wichtig, auch von ärztlicher Seite das Tagesgeschehen richtig einzuordnen und mit sinnvollen Maßnahmen zu reagieren. Viele Einzelwege hätten in tausend Einzeldiskussionen geendet und uns ausgebremst. Ein Schwerpunkt war es, die Vielzahl an Informationen zu filtern und den richtigen Weg zwischen Panik und Sicherheit strukturiert und zügig zu beschreiten. Dadurch konnten wir auch dem Vorstand den Rücken bei den schwierigen wirtschaftlichen Maßnahmen, über die entschieden werden musste, freihalten.

 

CC: Wie hat sich das Vorgehen in der Praxis bewährt?

Prof. Dr. Thomas Henzler: Sehr gut. Die Mitarbeitenden wussten und wissen, dass sie für all die auftretenden Sonderfragestellungen eine zentrale Ansprechstelle haben. Problemlösungen konnten gleich allen MVZ zur Verfügung gestellt werden und entlasteten die Kollegen vor Ort. Denn letztlich haben alle mit denselben Herausforderungen zu kämpfen. So hatten wir direkt Lösungen für die Standorte verfügbar.

 

CC: Welche Praxisprozesse haben Sie nachhaltig verändert?

Prof. Dr. Thomas Henzler: Alle Patienten werden vor Ihrer Aufnahme in den MVZ mit einem Fragebogen zu ihrem Gesundheitsstatus befragt. Hier haben wir zu Beginn der Krise tägliche Anpassungen um die vom Robert-Koch-Institut veröffentlichten Risikogebiete vorgenommen. Das fällt aufgrund der pandemischen Situation jetzt weg, aber die Abfrage ist fester Bestandteil unserer Praxisprozesse geworden. Eine zweite Herausforderung für uns war es, frühzeitig Abstandsregeln zu definieren und durchzusetzen zum Schutz für alle Beteiligten. Wir hatten die Schilder „Wir geben Ihnen nicht die Hand, sondern schenken Ihnen ein Lächeln“ schon sehr früh im Einsatz. Noch ehe die allgemeinen Vorgaben zur Distanz in Kraft traten. Dabei stand immer im Vordergrund, dass wir auch mit diesen neuen Regeln überall in unserer Praxis eine gute Beziehung zu unseren Patienten herstellen – vom Empfang bis zum Arztgespräch.

 

CC: Welche sind denn die Schwerpunkte des Corona-Hygienekonzepts von Conradia?

Prof. Dr. Thomas Henzler: Für die Conradia wurden drei Bereiche definiert: Sicherheit, Aufklärung, Wissen. Unter Sicherheit verstehen wir, dass die Teams in unseren MVZ sicher und geschützt dank spezieller Hygienemaßnahmen ihrer Arbeit nachgehen können. Dazu gehört u.a. die ausreichende Versorgung mit Schutzmasken, die zeitnahe Anbringung von Spuckschutzwänden im Empfangsbereich sowie zusätzliche Desinfektionsprozesse in den Untersuchungsbereichen. Die zweite Säule ist die Aufklärungsarbeit bei den Patienten über Hygieneverhalten in unseren Einrichtungen. Diese trägt auch dazu bei, dass vereinbarte Termine nicht übereilt abgesagt werden aus übertriebener und sachlich unberechtigter Sorge. Um unser Personal zu stärken, sowohl in der Art, wie sie mit den Patienten umgehen, als auch in der Kommunikation, was sie den Patienten sagen, briefen wir die Teams und versorgen sie mit Informationen und Argumentationshilfen. Die Aufgabe von Ärzten und Teams liegt gerade auch jetzt stark darin, verunsicherte Patienten wieder ein Stück weit in die Normalität zurück zu führen.

 

CC: Wie wirkt sich das neue Hygienekonzept auf die zu erwartende Leistungsfähigkeit der Conradia MVZ in den nächsten Monaten/Jahren aus? Stichworte wären hier: weniger Patientendurchlauf wg. aufwendigerer Hygienemaßnahmen, geringere Wartezimmerkapazitäten, veränderte Schichtplanungen, Kosten für Hygieneartikel etc.

Prof. Dr. Thomas Henzler: Auch wenn man es sich aktuell kaum vorstellen kann, glaube ich, dass wir in unseren Abläufen auf Dauer keine relevanten Einschränkungen haben werden und damit die Leistungsfähigkeit nicht entscheidend beeinträchtigt wird.

 

CC: Mit Blick auf die Soft-Faktoren: Hat sich die Stimmung, der Zusammenhalt im Team in diesen Stresszeiten verändert?

Prof. Dr. Thomas Henzler: Anfangs begegneten mir Mitarbeitende mit gemischten Gefühlen bis hin zu teilweise starker Verunsicherung. Nach wenigen Tagen entwickelte sich aus der „Wir-sitzen-gemeinsam-in-einem-Boot-Situation“ ein besonderer Team Spirit. Insgesamt verzeichneten wir sogar unterdurchschnittliche Krankenstände. Alle haben gespürt, dass es ein gutes Gefühl ist, in einem systemrelevanten Beruf zu arbeiten.

 

CC: Welche Erfahrung nehmen Sie aus der Coronakrise für die Conradia insbesondere mit?

Prof. Dr. Thomas Henzler: Nach dieser harten Probe ist klar: Wir können schnell auf eine Krise reagieren. Das ist beruhigend für die Zukunft. Und: Wir sind ein fantastisches Team.

 

CC: Vielen Dank für das Gespräch.

 


 

Ihr Ansprechpartner

Prof. Dr. Thomas Henzler
t.henzler@conradia.de

 


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