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Schwerpunkt Themenübersicht CuraCompact 2/20

Die Schwerpunktthemen der Juni-Ausgabe CuraCompact auf einen Blick:

Krisenmanagement in radiologischen Praxen

Sinnvolle Maßnahmen zum Schutz vor Corona-Viren 

Stabilisierung der wirtschaftlichen Situation 

Corona Hilfspaket: Was können Praxen erwarten? 

Teleradiologie als Option in der Krise?

Das Conradia Hygienekonzept in der Coronakrise  

Code Red – ein Leitfaden für den Krisenmodus

 

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Sicherheit, Aufklärung, Wissen: Das Conradia Hygienekonzept in der Coronakrise

 

 

 

 

 

 

Die Coronakrise erreichte Deutschland in einer raschen Welle. Binnen kürzester Zeit mussten Praxen ihre Hygieneprozesse an die sich täglich zuspitzende Situation anpassen. Die Conradia mit deutschlandweit 24 MVZ-Standorten benannte mit Prof. Dr. Thomas Henzler einen Koordinator aus der ärztlichen Geschäftsführung, der dem DeRaG-Vorstand beim Krisenmanagement beratend zur Seite stand.

 

CC: Was genau war Ihre Aufgabe als Mediziner und Berater des Vorstands in dieser Ausnahmesituation?

Prof. Dr. Thomas Henzler: Im März überschlugen sich die Ereignisse. Natürlich hatten wir bis dato bereits ein funktionierendes Hygienemanagement. Aber es hatte keiner einen Notfallplan für eine Krise von diesem Ausmaß in der Schublade. So war es wichtig, auch von ärztlicher Seite das Tagesgeschehen richtig einzuordnen und mit sinnvollen Maßnahmen zu reagieren. Viele Einzelwege hätten in tausend Einzeldiskussionen geendet und uns ausgebremst. Ein Schwerpunkt war es, die Vielzahl an Informationen zu filtern und den richtigen Weg zwischen Panik und Sicherheit strukturiert und zügig zu beschreiten. Dadurch konnten wir auch dem Vorstand den Rücken bei den schwierigen wirtschaftlichen Maßnahmen, über die entschieden werden musste, freihalten.

 

CC: Wie hat sich das Vorgehen in der Praxis bewährt?

Prof. Dr. Thomas Henzler: Sehr gut. Die Mitarbeitenden wussten und wissen, dass sie für all die auftretenden Sonderfragestellungen eine zentrale Ansprechstelle haben. Problemlösungen konnten gleich allen MVZ zur Verfügung gestellt werden und entlasteten die Kollegen vor Ort. Denn letztlich haben alle mit denselben Herausforderungen zu kämpfen. So hatten wir direkt Lösungen für die Standorte verfügbar.

 

CC: Welche Praxisprozesse haben Sie nachhaltig verändert?

Prof. Dr. Thomas Henzler: Alle Patienten werden vor Ihrer Aufnahme in den MVZ mit einem Fragebogen zu ihrem Gesundheitsstatus befragt. Hier haben wir zu Beginn der Krise tägliche Anpassungen um die vom Robert-Koch-Institut veröffentlichten Risikogebiete vorgenommen. Das fällt aufgrund der pandemischen Situation jetzt weg, aber die Abfrage ist fester Bestandteil unserer Praxisprozesse geworden. Eine zweite Herausforderung für uns war es, frühzeitig Abstandsregeln zu definieren und durchzusetzen zum Schutz für alle Beteiligten. Wir hatten die Schilder „Wir geben Ihnen nicht die Hand, sondern schenken Ihnen ein Lächeln“ schon sehr früh im Einsatz. Noch ehe die allgemeinen Vorgaben zur Distanz in Kraft traten. Dabei stand immer im Vordergrund, dass wir auch mit diesen neuen Regeln überall in unserer Praxis eine gute Beziehung zu unseren Patienten herstellen – vom Empfang bis zum Arztgespräch.

 

CC: Welche sind denn die Schwerpunkte des Corona-Hygienekonzepts von Conradia?

Prof. Dr. Thomas Henzler: Für die Conradia wurden drei Bereiche definiert: Sicherheit, Aufklärung, Wissen. Unter Sicherheit verstehen wir, dass die Teams in unseren MVZ sicher und geschützt dank spezieller Hygienemaßnahmen ihrer Arbeit nachgehen können. Dazu gehört u.a. die ausreichende Versorgung mit Schutzmasken, die zeitnahe Anbringung von Spuckschutzwänden im Empfangsbereich sowie zusätzliche Desinfektionsprozesse in den Untersuchungsbereichen. Die zweite Säule ist die Aufklärungsarbeit bei den Patienten über Hygieneverhalten in unseren Einrichtungen. Diese trägt auch dazu bei, dass vereinbarte Termine nicht übereilt abgesagt werden aus übertriebener und sachlich unberechtigter Sorge. Um unser Personal zu stärken, sowohl in der Art, wie sie mit den Patienten umgehen, als auch in der Kommunikation, was sie den Patienten sagen, briefen wir die Teams und versorgen sie mit Informationen und Argumentationshilfen. Die Aufgabe von Ärzten und Teams liegt gerade auch jetzt stark darin, verunsicherte Patienten wieder ein Stück weit in die Normalität zurück zu führen.

 

CC: Wie wirkt sich das neue Hygienekonzept auf die zu erwartende Leistungsfähigkeit der Conradia MVZ in den nächsten Monaten/Jahren aus? Stichworte wären hier: weniger Patientendurchlauf wg. aufwendigerer Hygienemaßnahmen, geringere Wartezimmerkapazitäten, veränderte Schichtplanungen, Kosten für Hygieneartikel etc.

Prof. Dr. Thomas Henzler: Auch wenn man es sich aktuell kaum vorstellen kann, glaube ich, dass wir in unseren Abläufen auf Dauer keine relevanten Einschränkungen haben werden und damit die Leistungsfähigkeit nicht entscheidend beeinträchtigt wird.

 

CC: Mit Blick auf die Soft-Faktoren: Hat sich die Stimmung, der Zusammenhalt im Team in diesen Stresszeiten verändert?

Prof. Dr. Thomas Henzler: Anfangs begegneten mir Mitarbeitende mit gemischten Gefühlen bis hin zu teilweise starker Verunsicherung. Nach wenigen Tagen entwickelte sich aus der „Wir-sitzen-gemeinsam-in-einem-Boot-Situation“ ein besonderer Team Spirit. Insgesamt verzeichneten wir sogar unterdurchschnittliche Krankenstände. Alle haben gespürt, dass es ein gutes Gefühl ist, in einem systemrelevanten Beruf zu arbeiten.

 

CC: Welche Erfahrung nehmen Sie aus der Coronakrise für die Conradia insbesondere mit?

Prof. Dr. Thomas Henzler: Nach dieser harten Probe ist klar: Wir können schnell auf eine Krise reagieren. Das ist beruhigend für die Zukunft. Und: Wir sind ein fantastisches Team.

 

CC: Vielen Dank für das Gespräch.

 


 

Ihr Ansprechpartner

Prof. Dr. Thomas Henzler
t.henzler@conradia.de

 


Die Schwerpunktthemen der Juni-Ausgabe CuraCompact auf einen Blick:

Krisenmanagement in radiologischen Praxen

Sinnvolle Maßnahmen zum Schutz vor Corona-Viren 

Stabilisierung der wirtschaftlichen Situation 

Corona Hilfspaket: Was können Praxen erwarten? 

Teleradiologie als Option in der Krise?

Das Conradia Hygienekonzept in der Coronakrise  

Code Red – ein Leitfaden für den Krisenmodus

 

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Teleradiologie als Option in der Krise?

Welche Möglichkeiten haben Radiologen, fern zu befunden (von einem anderen Standort aus oder von zuhause)?

Insbesondere bei größeren Praxen und Praxen mit mehreren Standorten könnte laut darüber nachgedacht werden, ob eine Fernbefundung eine Option zur besseren Krisenbewältigung darstellen könnte. Wie sieht es nun damit aus?

 

Der Vertragsarzt ist verpflichtet, seinen Versorgungsauftrag vorrangig an seinem Vertragsarztsitz zu erfüllen (vgl. § 95 Abs. 3 S. 1 SGB V). Dazu hat er nach § 24 Abs. 2 Ärzte-ZV seiner Sprechstundenverpflichtung nachzukommen, indem er den Versicherten vor Ort persönlich zur Verfügung steht (Präsenzpflicht). Die Strahlenschutzverordnung geht davon aus, dass der Patient behandelt wird, wenn er geröntgt wird. Nach der Verordnung erfordert die Anwendung einen Arzt mit Fachkunde im Strahlenschutz – wie zum Beispiel einen Radiologen, sowie zur technischen Durchführung eine Medizinischtechnische Radiologieassistentin (MTA/MTRA) mit Fachkunde im Strahlenschutz oder eine MFA mit Kenntnissen im Strahlenschutz. Entscheidend ist die rechtfertigende Indikation. Der Arzt, der die rechtfertigende Indikation stellt, muss die Möglichkeit haben, den Patienten vor Ort persönlich zu untersuchen, es sei denn, es liegt ein Fall von Teleradiologie vor.

 

Die Teleradiologie nach StrSchV ermöglicht auch kleineren Krankenhäusern, die Computertomografie (CT) für die Notfallversorgung anzubieten, ohne dass dafür ein Spezialist vor Ort erforderlich ist. Seit Sommer 2002 ist dieser Fall genauer spezifiziert: Teleradiologie ist stets genehmigungspflichtig und grundsätzlich nur für den Nacht-, Wochenend- und Feiertagsdienst vorgesehen. In Ausnahmefällen kann auch eine Genehmigung darüber hinaus erteilt werden, wenn ein Bedarf – etwa in der Versorgung ländlicher Regionen – besteht. Eine Genehmigung wegen solcher Versorgungslücken ist allerdings auf drei Jahre befristet. 1)

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Corona-Pandemie: PKV zahlt den Ärzten eine Extravergütung

Der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV-Verband) hat mit der Bundesärztekammer (BÄK) Vereinbarungen über eine „Hygienepauschale“ sowie über den erweiterten Einsatz von Telemedizin bei psychotherapeutischen Leistungen getroffen. Die Regelungen gelten rückwirkend ab 5. Mai 2020.

 

Die Regelungen im Überblick

 

  • Hygienepauschale: Bis zum 31. Juli 2020 können Ärzte in der ambulanten Versorgung für jeden unmittelbaren Arzt-Patienten-Kontakt einen Betrag in Höhe von 14,75 Euro für erhöhten Hygieneaufwand abrechnen.
  • Telemedizin: In der Psychotherapie werden die Möglichkeiten zum Einsatz von Telemedizin in der Corona-Krise erweitert. Hier kann ausnahmsweise auf den sonst erforderlichen unmittelbaren persönlichen Kontakt mit dem Patienten verzichtet werden, damit der Patient nicht unversorgt bleibt.
  • Im Interesse von Patienten, die in der aktuellen Krisensituation den Arzt nicht aufsuchen können und bei denen auch keine Video-Sprechstunde möglich ist, könnte eine längere telefonische Beratung sinnvoll sein, um die Versorgung zu sichern. PKV-Verband und BÄK haben sich hier auf folgende Abrechnungsempfehlung der BÄK zur mehrfachen Berechnung der Nr. 3 GOÄ für längere telefonische Beratungen verständigt: „Infolge der COVID-19-Pandemie ist zunächst befristet bis zum 31. Juli 2020 die mehrfache Berechnung der Nr. 3 GOÄ für längere telefonische Beratungen, je vollendete 10 Minuten, möglich. Voraussetzung ist, dass das Aufsuchen des Arztes pandemiebedingt nicht möglich bzw. zumutbar ist, eine Videoübertragung nicht durchgeführt und die Patientenversorgung auf andere Weise nicht gewährleistet werden kann.“

 

Weitergehende Informationen zu den Abrechnungsempfehlungen zur Berechnung von ärztlichen Leistungen im Rahmen der COVID-19-Pandemie

https://www.bundesaerztekammer.de/aerzte/gebuehrenordnung/erlaeuterungen-zu-den-abrechnungsempfehlungen-zur-berechnung-von-aerztlichen-leistungen-im-rahmen-der-covid-19-pandemie/

 

 


Der Artikel stammt vom Leo Schütze Verlag, Herausgeber des „Schütze-Briefs“. Curagita übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit dieser Informationen.

 

Ihre Ansprechpartner:

Dr. Johannes Schmidt-Tophoff
jst@curagita.com

Carsten Krüger
ckg@curagita.com

COVID-19-Versorgungsstrukturen-Schutzverordnung erlassen

Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) hat am 30. April 2020 die COVID-19-Versorgungsstrukturen-Schutzverordnung (COVID-19-VSt-SchutzV) erlassen. Mit dieser Rechtsverordnung hat Jens Spahn MdB (CDU), Bundesminister für Gesundheit, die ihm mit dem Infektionsschutzgesetz eingeräumte Möglichkeit genutzt, durch Rechtsverordnung und ohne Gesetz wichtige Maßnahmen im Rahmen der Bekämpfung der Corona-Pandemie durchzusetzen.

 

Mit der COVID-19-Versorgungsstrukturen-Schutzverordnung wird eine Liquiditätshilfe für Vertragszahnärztinnen und Vertragszahnärzte zur Überbrückung der finanziellen Auswirkungen der infolge der COVID-19-Pandemie verminderten Inanspruchnahme zahnärztlicher Leistungen eingeführt. Die Gesamtvergütung für vertragszahnärztliche Leistungen wird für das Jahr 2020 auf 90 % der gezahlten Gesamtvergütung des Jahres 2019 festgesetzt. Der zentrale Punkt: Eine mögliche Überzahlung muss in den Jahren 2020 und 2021 vollständig zurückgezahlt werden. Die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) hat kritisiert, dass mit dieser Regelung die massiven negativen Auswirkungen der Corona-Krise für die vertragszahnärztliche Versorgung in Deutschland nicht abgefedert werden und die Verordnung nicht zur Sicherstellung einer flächendeckenden zahnärztlichen Versorgung beiträgt. Die Regelung sehe – im Gegensatz zum ursprünglichen Entwurf – nur noch kurzfristige Liquiditätshilfen vor, die vollständig zurückgezahlt werden müssen.

 

Dr. Wolfgang Eßer, Vorsitzender des Vorstandes der KZBV, betonte: „Von einem Schutzschirm kann keine Rede sein, wenn uns lediglich ein Kredit gewährt wird, der in den nächsten zwei Jahren mit viel Bürokratieaufwand vollständig zurückgezahlt werden muss. Damit wird die Krise für die zahnärztlichen Praxen nur verlängert.“

 

Außerdem sind in dieser Rechtsverordnung Ausgleichszahlungen an Heilmittelerbringer vorgesehen. Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen erhalten bei Einnahmeverlusten in der Corona-Pandemie Ausgleichszahlungen aus der Liquiditätsreserve des Gesundheitsfonds. Für bestimmte Pflegehilfsmittel wird eine zeitlich begrenzte Preisregelung getroffen.

 

 


Der Artikel stammt vom Leo Schütze Verlag, Herausgeber des „Schütze-Briefs“. Curagita übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit dieser Informationen.

 

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Corona-Epidemie: SpiFa fordert Ausgleichszahlungen für Honorarverluste bei Privatpatienten

Die privaten Krankenversicherer und die Träger der Beihilfe müssten auch in der Corona-Krise zum dualen System stehen, betont der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands e.V. (SpiFa). Honorareinbußen aus der Behandlung von Selbstzahlern im ambulanten Bereich bedrohen innerhalb der nächsten Monate einen Großteil aller Arztpraxen in deren Existenz, so lautet der Alarmruf.

 

Die Politik habe bisher allein die bereits eintretenden Honorarausfälle im Bereich der Versorgung von gesetzlich Versicherten in den Blick genommen, so der SpiFa. Dies sichere jedoch nur einen Teil der gerade heute und auch in der Zukunft dringend gebrauchten Versorgungsstrukturen für alle Patientinnen und Patienten in Deutschland. Der SpiFa fordert deshalb zur Stabilisierung des ambulanten Versorgungsbereichs Stützungsmaßnahmen auch für die Honorarausfälle im privatärztlichen Bereich durch Schaffung eines durch die PKV und die Träger der Beihilfe gespeisten Fonds, der mit den Stützungsmaßnahmen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) kombiniert wird.

 

Nach eigenen Berechnungen des SpiFa auf der Grundlage der im Jahr 2017 durch das Statistische Bundesamt veröffentlichten Zahlen zur Kostenstruktur von Arzt- und Zahnarztpraxen stellt sich der Anteil der Honorare für die Behandlung von Selbstzahlern an den Gesamteinahmen einer Praxis als unabdingbar notwendig dar, um die Praxis wirtschaftlich führen zu können. „An diesen Zahlen ist leicht erkennbar, dass durch einen Rückgang bei den Honoraren aus dem Selbstzahlerbereich um 50 % für eine durchschnittliche Praxis keine Gesamtkostendeckung mehr zu erreichen ist, sie ist sogar unmöglich, wenn der Honorarumsatz aus Selbstzahlerleistungen einen arztgruppenspezifischen Schwellenwert übersteigt und eine nachweisbare Kostenunterdeckung entsteht. Es nützt dann der Rettungsschirm für die vertragsärztliche Versorgung nur sehr begrenzt“, erläuterte Lars F. Lindemann, Hauptgeschäftsführer des SpiFa.

 


Der Artikel stammt vom Leo Schütze Verlag, Herausgeber des „Schütze-Briefs“. Curagita übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit dieser Informationen.

 

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Corona-Hilfspaket: Was können Praxen erwarten?

Der Schutzschirm für die Vertragsarztpraxen umfasst Leistungen, die aus der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung (budgetierte Leistungen) honoriert werden, und Leistungen, die extrabudgetär bezahlt werden.

Die Ausgleichszahlungen für Vertragsärzte sind in den Paragrafen 87a Abs. 3b S. 3 SGB V (extrabudgetäre Leistungen) bzw. § 87b Abs. 2a SGB V geregelt. Praxen mit Umsatzverlusten von zehn Prozent und mehr und einem pandemiebedingten Rückgang der Fallzahlen können einen Ausgleich für extrabudgetäre Leistungen wie Früherkennungsuntersuchungen, Impfungen oder ambulante Operationen erhalten. Für Radiologen gibt es nur sehr wenige Leistungen, die nicht budgetiert vergütet werden (z.B. Orthovolttherapie, Aufschläge für Untersuchungen bei onkologischen Patienten in Baden-Württemberg). Vergleichszeitraum ist das jeweilige Quartal des Vorjahres.

Für budgetierte Leistungen – und das ist die Masse in Radiologie und Nuklearmedizin – sieht das Gesetz vor, dass die morbiditätsbedingte Gesamtvergütung (MGV) trotz reduzierter Leistungsmenge im regulären Umfang ausgezahlt wird. Die Krankenkassen müssen also genauso viel Geld für die Versorgung der Patienten bereitstellen wie zu „normalen“ Zeiten. Sie dürfen auch im kommenden Jahr aufgrund eines geringeren Behandlungsbedarfs die MGV nicht kürzen. Voraussetzung für eine Ausgleichszahlung im Rahmen der budgetierten Gesamtvergütung ist eine pandemiebedingte Fallzahlminderung in einem Umfang, der die Fortführung der Arztpraxis gefährden würde. Die Entscheidung darüber, wann eine solche Fallzahlminderung vorliegt, haben die Kassenärztlichen Vereinigungen im Benehmen mit den Krankenkassen zu treffen.

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Stabilisierung der wirtschaftlichen Praxissituation

Auf der KBV-Seite konnte man am 27. April lesen, dass vertragsärztliche Praxen nach einer internen Weisung der Bundesagentur für Arbeit grundsätzlich kein Kurzarbeitergeld erhalten. Grund seien die im März durch den Bundestag beschlossenen Ausgleichszahlungen für Vertragsärzte und Psychotherapeuten.

Die Ausgleichzahlungen wirkten wie eine Betriebsausfallversicherung, sodass die erforderlichen wirtschaftlichen Gründe für den Anspruch auf Kurzarbeitergeld fehlten, heißt es in der internen Anweisung der Behörde. Raum für eine Zahlung von Kurzarbeitergeld bestehe folglich nicht. Die Aufregung war groß und die Kassenärztliche Bundesvereinigung hat mittlerweile Gespräche mit den Bundesagenturen für Arbeit durchgeführt. Dies auch vor dem Hintergrund, dass gem. § 87a Abs. 3b SGB V Leistungen aus dem Kurzarbeitergeld auf die Auszahlungen im Rahmen des Schutzschirms durch die KV angerechnet werden können.

Am Ende dieser Verhandlungen stand die interne Weisung der Bundesagentur für Arbeit an ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom 7. Mai, dass Kurzarbeitergeld an die Leistungserbringer im Gesundheitswesen und zwar ohne Ansehung der Tatsache, ob diese Vertragsärzte sind oder reine Privatpraxen unterhalten, weiter gezahlt und die vorliegenden Anträge mit sofortiger Wirkung bearbeitet werden.

Davon unabhängig ist die durch die KBV angekündigte Anrechnung dieser Leistungen auf Zahlung der Kassenärztlichen Vereinigungen im Rahmen des sog. Rettungsschirms an Vertragsärzte. Die Anrechnung dieser Leistungen auf die Zahlung aus dem Rettungsschirm hat sich die Kassenärztliche Bundesvereinigung ausdrücklich vorbehalten.

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Sinnvolle Maßnahmen zum Schutz vor Corona-Viren

Bereits im April hat das Netzmanagement eine Video-Unterweisung von Anette Butzmann mit dem Titel „Arbeitsschutz und Hygiene im Zeichen von Corona“ allen Radiologienetz-Praxen zum Download zur Verfügung gestellt. Hier konnten und können Praxen Orientierung für ihr Praxismanagement zu diesem Thema finden.

 

Was heißt das nun konkret für Risikogruppen innerhalb der eigenen Praxis?

Nach dem RKI sind Personengruppen, die nach bisherigen Erkenntnissen ein höheres Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf haben, insbesondere folgende:

• Ältere Personen ab 50 Jahren
• Personen mit verschiedenen Grunderkrankungen wie z. B. Herzkreislauferkrankungen, Diabetes, Erkrankungen des Atmungssystems, der Leber, der Niere, Krebserkrankungen oder Faktoren wie Adipositas und Rauchen
• Personen mit unterdrücktem Immunsystem (z. B. aufgrund einer Erkrankung, die mit einer Immunschwäche einhergeht, oder wegen Einnahme von Medikamenten, die die Immunabwehr unterdrücken, wie z. B. Cortison)

 

Wie genau geht man als Praxis mit Partnern und/oder Mitarbeitern um, die zur Risikogruppe gehören?

Klar ist, dass ein Fernbleiben vom Arbeitsplatz nur aufgrund der Zugehörigkeit zur Risikogruppe nicht zu rechtfertigen ist, zumal eine ärztliche oder auch nicht-ärztliche Tätigkeit in einer Arztpraxis immer ein gewisses Berufsrisiko durch den Umgang mit Patienten mit potentiell auch ansteckenden Krankheiten vorhanden ist. Ärzte können also nicht beispielsweise einfach ihre Zulassung ruhen lassen oder sich vertreten lassen. Was aber auch klar ist: in Praxen muss für die Risikogruppen eine Situation hergestellt werden, die das individuelle Risiko des einzelnen minimiert. Bei Patientenkontakt müssen die Risikogruppen daher besonders sorgfältig die Schutzmaßnahmen ergreifen, wie z.B. Nutzung von FFP2 Masken und Einhaltung von Mindest-Abständen zu anderen Personen. Für Mitarbeiter ohne Patientenkontakt, z.B. im Abrechnungsteam, können Homeoffice-Regelungen getroffen werden.

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Krisenmanagement in radiologischen Praxen

In einer Radiologienetz-Umfrage baten wir Anfang Mai die Mitgliedspraxen im Radiologienetz um Rückmeldungen und Einschätzungen. 34 Mitgliedspraxen nahmen teil.

 

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Coronakrise die Nachfrage nach Untersuchungen kurzfristig enorm reduziert hat. Bei 42 % der antwortenden Praxen lag der Nachfragerückgang an Untersuchungen im April bei über 40 %. Im Bereich der Privatpatienten lag er noch deutlich höher. Hier blieben in 64 % der Praxen die Patienten weg (mehr als 40 % Rückgang). Seit Mai verzeichnet die große Mehrheit der Praxen (82 %) eine kontinuierlich stärker werdende Nachfrage, die jedoch noch weit weg vom Normalbetrieb ist. Die Hoffnung, bereits im Juni/Juli wieder auf das Schlagzahl-Niveau vor Corona zu kommen, hat mehr als die Hälfte der Befragten (55 %), die anderen rechnen längerfristig nicht damit. Negative wirtschaftliche Folgen, die noch zu den Honorarrückgängen durch die EBM-Reform addiert werden müssen, befürchten fast alle antwortenden Radiologen. Ein gutes Drittel ist der Meinung, dass sich durch Corona zusätzlich Einnahmeüberschüsse bzw. Gewinne um mehr als 20 % reduzieren werden. Als Hauptinstrumente im Krisenmanagement wurden reduzierte Öffnungszeiten, Kurzarbeit und die Schließung einzelner Abteilungen genannt.

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