Workshops Radiologentag
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Streifzug durch die Workshops: Management, Entwicklung und Standardisierung

Zur Vertiefung von verschiedenen aktuellen Themen stand den Radiologentag- Besuchern am Nachmittag ein dichtgepacktes Workshop- Programm zur Verfügung. Lesen Sie hier kurze Zusammenfassungen, die zugehörigen Präsentationen können Sie per E-Mail an netzmanagement@curagita.com anfordern. Über den Best-Practice- Austausch der Praxismanager finden Sie einen eigenen ausführlichen Artikel.

Management der Großgeräte: einsatzbereit, aktuell, finanzierbar (Frank Vogel, Curagita)
Frank Vogel, Leiter des DeRaTek- Teams bei Curagita vollzog mit rund dreißig interessierten Zuhörern einen Rundumschlag durch das Management von Großgeräten in der radiologischen Praxis: von der Bedarfsplanung über die Finanzierung bis hin zu Personal- und Servicefragen. Er zeigte unter anderem auf, wie man die Wirtschaftlichkeit von Geräten im Voraus einschätzen, wie man an einen günstigen KfW-Kredit kommen oder welche Tücken die Raumplanung bereiten kann, und wartete dabei mit Erfahrungen aus seiner täglichen Arbeit für die DeRaTek auf. Am Ende gab es noch einen Einblick in ein laufendes Projekt zur Optimierung von Untersuchungssequenzen in der Diagnostik München, was auf reges Interesse stieß. Erste Ergebnisse zeigen, dass sich auf diese Weise herstellerunabhängig teilweise über 20 Prozent Untersuchungszeit am MRT einsparen lassen.

Nutzen der Standardisierung (ärztlicher) Leistungen (Prof. Dr. Lars Grenacher, Diagnostik München)
Ist Standardisierung mit ärztlicher Kunst bzw. ärztlicher Freiheit zu vereinbaren? Um Vorbehalte dieser Art zu widerlegen, zeigte Prof. Grenacher, ärztlicher Direktor der Diagnostik München, den Nutzen der Standardisierung am Beispiel der strukturierten Befundung in der Pankreasdiagnostik auf. Die Zukunft liegt aus seiner Sicht in der Verbindung von strukturierter Befundung und automatisierter Befunderkennung, die sich unter den Schlagworten „radionomics“ und „deep learning“ immer stärker zu selbstlernenden Systemen weiterentwickeln würden. Bei den Zuhörern regte sich Widerspruch: Liefen die Radiologen damit nicht Gefahr, durch Computer ersetzt und überflüssig zu werden? Und zeige sich nicht gerade z. B. anhand der vielen Rückrufaktionen der Automobilindustrie die Fehleranfälligkeit der Automatisierung? Grenacher stellte diesen Einwänden entgegen, dass die Standardisierung den Radiologen vor allem bei Standard-Befunden unterstütze, das Know-how des Radiologen aber bei vielen individuellen und komplexeren Fällen weiterhin unverzichtbar sei. Die Zeitersparnis durch die Automatisierung sähe er auf jeden Fall positiv, da sie den Radiologen die Möglichkeit eröffne, sich neuen weitergehenden Aufgaben, die über die reine Befundungstätigkeit hinausgehen, zu widmen.

Gründung und Umsetzung eines MVZ (Jürgen Bodemeyer, Radiologie Nordhessen)
Der kaufmännische Gesch.ftsführer der Radiologie Nordhessen, Jürgen Bodemeyer, gab zunächst einen Überblick zu den rechtlichen Grundlagen einer MVZ-Gründung, um dann am Beispiel der Radiologie Nordhessen von seinen Erfahrungen und auch den Stolpersteinen bei der Umsetzung zu berichten. Wegen der besonderen Ausgangssituation – die Radiologie Nordhessen ist eine ÜBAG mit vielen Standorten – und der Vorgabe der KVH, nach der die Einsatzmöglichkeiten der Ärzte bei einem MVZ auf drei Standorte beschränkt sind, war für die Umsetzung eine spezielle Konstruktion erforderlich. Mehrere MVZs wurden unter dem Dach einer ÜBAG vereint. Der zwischenzeitlich drohende Verlust von Sitzen und Krankenhauskooperationen machten Übergangslösungen zur Reorganisation notwendig, so dass die MVZ-Gründung erst später als geplant erfolgen konnte. Insbesondere für Radiologen, die ähnliches planen, war das ein lehrreicher Einblick in die Komplexität eines solchen Projekts.

Verkauf von Praxisanteilen (Carsten Krüger, Curagita)
KV-Spezialist Carsten Krüger von der Curagita schloss inhaltlich an den Workshop MVZ-Gründung an und stellte dabei zum einen die Vorund Nachteile einer MVZ-Gründung in den Mittelpunkt, zum anderen die Klärung von Fragen, die sich aus dem Versorgungsstärkungsgesetz und der jüngsten Rechtsprechung des Bundessozialgerichts (BSG) ergeben haben: Zum Beispiel erläuterte er die Gründe des Zulassungausschusses bei der Ausschreibung eines Vertragsarztsitzes zu widersprechen. Außerdem wurde im Workshop über das BSG-Urteil zu Sitzübertragungen in MVZs diskutiert (vgl. Artikel in CuraCompact 3/2016). Danach muss ein Arzt, der zu Gunsten einer Anstellung in einem MVZ auf seine Zulassung verzichtet grundsätzlich drei Jahre in diesem MVZ tätig sein, bevor seine Stelle durch einen anderen Facharzt besetzt werden kann. Für Krüger lautet die Konsequenz daraus: die Planung des Verkaufs von Praxisanteilen benötigt eine längere Vorlaufzeit als bisher und die strategische Bedeutung des Übergangs vor allem für die verbleibenden Partner wächst.

Berufsbild „Radiologischer Geschäftsführer“ (PD Dr. Matthias Röthke, Conradia Hamburg)
Im Mittelpunkt des sehr persönlichen Vortrags von Dr. Matthias Röthke stand sein beruflicher Wechsel in die Gesch.ftsführung des DeRaG-MVZ Conradia Anfang des Jahres. Zuletzt war der Radiologe und Diplom- Kaufmann als leitender Oberarzt im Deutschen Krebsforschungszentrum angestellt. Für den nächsten Karriereschritt hatte er die Wahl zwischen klassischem Praxiseinstieg, Krankenhaus, Industrie und der DeRaG. Röthke erläuterte, warum seine Wahl letztendlich auf die DeRaG fiel: Er sieht darin einen „spannenden dritten Weg“, das Beste aus zwei Welten zu vereinen – dem Gestaltungs- und Entscheidungsspielraum der Freiberuflichkeit auf der einen und dem Angestelltenverhältnis auf der anderen Seite, mit geregelten Arbeitszeiten und mit geringem unternehmerischen Risiko. Als Arzt und Kaufmann hat er bei Conradia die Möglichkeit, Medizin und Management zu verbinden, außerdem schätzt er die die Option einer Unternehmensbeteiligung über die DeRaG und den Support durch Profis von der Curagita. Sein Fazit nach einem knappen Jahr: „Für mich persönlich war das genau die richtige Entscheidung!“

Instrumente zur Praxisentwicklung (Dr. Michael Kreft, Curagita)
Die eigene Praxis systematisch weiter zu entwickeln – dass das Thema Praxisentwicklung zunehmend bei niedergelassenen Radiologen auf Interesse stößt, zeigte die rege Beteiligung am Workshop von Curagita-Vorstand Dr. Michael Kreft. Dieser stellte den rund 70 Teilnehmern vor, wie die drei Instrumente Leitbild, Geschäftsordnung und Geschäftsplan die Produktivität von Management steigern können. Er zeigte zudem einen Prozess auf, innerhalb dessen eine Praxis sich diese Instrumente erarbeiten kann und nutzte zur Veranschaulichung die in den DeRaG-MVZs Diagnostik München und Conradia gemachten Erfahrungen. Auf besonderes Interesse stießen dabei seine Ausführungen zu den Management-Zielen der dortigen Ärzte und dem daraus abgeleiteten Umgang mit Zuweisern. Mehr zum Thema Praxisentwicklung lesen Sie auf Seite 33.

Auf dem Weg zum IT-Standard (Tobias Brüstle, Curagita)
Der Abteilungsleiter IT der Curagita, Tobias Brüstle berichtete in diesem Workshop von der Vereinheitlichung von RIS-,PACS- und Viewer-Lösung in den DeRaGMVZs. Der Roll-Out des neuen Nexus- RIS über sieben Standorte und mit Krankenhausanbindungen in Hamburg und nun auch für Radiologie und Prävention in der Diagnostik München waren Mammut-Projekte, die in Entwicklungs-Phasen aufgeteilt erfolgreich umgesetzt werden konnten. Brüstle stellte plastisch dar, wie die Erfahrungen aus der Hamburger Umsetzung in das München-Projekt flossen und dort für einen reibungsloseren Ablauf sorgten. Als anschauliches Beispiel nannte er den Maßnahmenkatalog – das Herzstück des RIS, der sich, einmal entwickelt, nun auch in anderen Praxen mit ein wenig Adaption nutzen lässt. Für die Implementation in weitere DeRaGPraxen in Zukunft lasse sich so viel Aufwand sparen, erklärte Brüstle. Und das sei schließlich der beabsichtigte Effekt der Standardisierung der IT.

Streit in der Praxis lösen und vermeiden (Bernd Nagel, Curagita)
Laut einer Erhebung im Radiologienetz sind oder waren über die Hälfte aller radiologischen Praxen konfliktbeladen – in 39 % der Mitgliedspraxen herrschen ernste oder manifeste Konflikte: zwischen Mitarbeitern, zwischen Mitarbeitern und Ärzten oder auch unter den Praxis- Partnern. Curagita-Berater Bernd Nagel zeigte in seinem Vortrag, wie sich die Eskalation von Konflikten vermeiden lässt und welche Instrumente zu einer Objektivierung beitragen: Professionelle Kommunikation, klare Regeln für Entscheidungen und Vergütung sowie ein Leitbild, hinter dem alle stehen und das im Konfliktfall der Orientierung dienen kann.

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