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Status quo Kontrastmittelmarkt GKV: Auswirkungen der KM-Systemänderungen in den radiologischen Praxen

Es „brodelt“ auf dem Kontrastmittelmarkt. Die Kostenträger haben die in diesem Markt erzielten Margen als Wirtschaftlichkeitsreserve identifiziert und leiten derzeit in vielen KV-Regionen Veränderungen ein. Verunsichert sind vor allem die radiologischen Praxen, die seit Jahren den Einsatz ihrer Kontrastmittel über Pauschalen finanzieren. Aber auch die Praxen in anderen Bundesländern, in denen ein Systemwechsel ansteht, wissen nicht, welche Auswirkungen dieser z. B. bezüglich ihrer Verordnungsfreiheit haben wird. Ein Überblick über angedachte GKV-Vergütungsmodelle und den aktuellen Stand der Umsetzung.

Prinzipiell gibt es drei verschiedene Modelle für die Vergütung von GKV-Kontrastmitteln in Deutschland: Kontrastmittel auf Rezept, Kontrastmittel-Ausschreibungen und Kontrastmittelpauschalen. Einige KVRegionen sind dabei, das Modell zu wechseln – zum Teil werden dabei neue Regelungen eingeführt:

Kontrastmittel auf Rezept Dies ist das Modell mit der größtmöglichen Verordnungs- und Bezugsfreiheit für einen Radiologen bezüglich der von ihm eingesetzten Kontrastmittel. Er selbst hat keinen wirtschaftlichen Vorteil, sondern verordnet das Kontrastmittel durch die Ausstellung eines Rezeptes, das er an den Pharma-Großhändler seiner Wahl oder den Kontrastmittel-Direktvertrieb eines Herstellers weitergibt. Diese sorgen für die Belieferung und reichen die Rezepte bei der Kasse ein, die den Herstellerabgabepreis  (kurz HAP) gemäß Sprechstundenbedarfsverordnung erstattet. Die Marge  (= Differenz zwischen HAP und  Händler-Einkaufs- bzw. Herstellerpreis) verbleibt beim Pharmagroßhändler bzw. Hersteller. Das Rezeptmodell gilt derzeit in den KV-Regionen Baden-Württemberg, Hessen, Saarland, Schleswig-Holstein, Nordrhein, Rheinland-Pfalz und seit kurzem auch wieder in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt.

Aktuelle Veränderungen: Die Krankenkassen in Hessen arbeiten seit 1. August mit Rabattverträgen nach § 130a SGB V. Diese beinhalten einen produktübergreifenden Pauschalrabatt auf die derzeitigen HAP von 10 % bis 20 %. Dem Rabattvertrag können alle Pharma-Großhändler und Hersteller beitreten, die die von den Kassen vorgegebenen Konditionen akzeptieren. Für die radiologischen Praxen in Hessen ändert sich durch dieses neue System nichts. Curagita hat Rabattverträge für das gesamte Kontrastmittelsortiment abschlossen, um den Mitgliedspraxen weiterhin Verordnungsfreiheit und Rechtssicherheit zu gewährleisten.

Für die KV-Regionen RheinlandPfalz, Saarland, Schleswig-Holstein und Nordrhein wurden die Kontrastmittelpreise nun ausgeschrieben. Ab 1. Oktober in Nordrhein bzw. ab 1. November in den anderen drei Regionen soll es für verschiedene Wirkstoffgruppen Zuschlagspreise geben, die eine Preisobergrenze darstellen. Ob und inwieweit die volle Verordnungsfreiheit des Arztes erhalten bleibt, ist unklar und davon abhängig, wer den Zuschlag erhält.

Kontrastmittel-Ausschreibungen In den neuen Bundesländern und in Berlin werden die Kontrastmittel seit Jahren ausgeschrieben. Der Ausschreibungsgewinner ist ein Hersteller oder Pharmagroßhändler, der mehr oder weniger exklusiv Radiologen mit einem bestimmten Kontrastmittel zum Zuschlagspreis für den geltenden Ausschreibungszeitraum beliefern darf. Die Bezugs- und Verordnungsfreiheit ist für die Radiologen in der Ausschreibungsregion somit auf die Ausschreibungsgewinner und -produkte beschränkt.

Die Erfahrungen zeigen, dass es viele Fallstricke bei der Umsetzung des Ausschreibungsmodells gibt und die Beschränkung der Radiologen in ihrer Verordnungsfreiheit auch zum Misslingen des Modells führen kann. Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben ihr Ausschreibungsmodell daher momentan ausgesetzt und arbeiten seit 1. Juli wieder auf Rezeptbasis. Bleibt abzuwarten, wie sich die Situation in den KV-Regionen entwickelt, in denen momentan ausgeschrieben wird (siehe oben).

Kontrastmittel-Pauschalen Bereits seit Jahren in Bayern und Westfalen-Lippe und seit letztem Herbst auch in Hamburg und Niedersachsen erhalten Radiologen für die Kontrastmittelgabe eine pauschale Vergütung. Die Pauschale orientiert sich an einer durchschnittlichen Kontrastmittelgabe für die Untersuchung eines Patienten (z. B. „bis zu 20 ml“). Die Radiologen kaufen das Kontrastmittel selbst beim Hersteller oder Handel und konnten bisher die Margen aus dem Einkaufspreis und der Pauschalenvergütung als Einnahme für die Praxis behalten.

Aktuelle Veränderungen: In Bayern wurden die Pauschalen zum 1. April angepasst, die Anpassungen führen zu geringeren Margen für die Kontrastmittel einsetzenden Radiologen. Weitere Anpassungen sind bereits für Anfang 2017 avisiert. Während noch vor kurzem in Regionen wie Rheinland-Pfalz und Nordrhein der Wechsel zum Pauschalen-System im Raum stand, gibt es nun vermehrt Vorbehalte gegen dieses Modell. Mit dem Inkrafttreten des § 299a/b am 4. Juni wurde die Unsicherheit der Radiologen geschürt, dass es sich bei der von ihnen vereinnahmten Kontrastmittel-Marge um eine Vorteilnahme mit strafrechtlichen Konsequenzen handeln könnte. Hier liegen zwar mittlerweile beruhigende Stellungnahmen von Landes-KVen vor, aber am Ende werden die Gerichte entscheiden, da es Staatsanwälte gibt, die das ganz anders sehen und ggfs. ermitteln könnten. Wenn diese Entscheidungen jedoch positiv für die Kontrastmittelpauschalen ausfallen sollen, könnten sie das Radiologenbudget langfristig stärken.

Ausblick Der Kontrastmittelmarkt ändert sich derzeit dynamisch, in vielen Fällen ist die Lage unübersichtlich. Die Zusammenarbeit im Radiologienetz stärkt dabei die Praxen, da das Netz bundesweit aktiv ist und mit allen Modellen der Kontrastmittelvergütung schon jahrelange Erfahrungen sammeln konnte. Weiterhin investiert das Radiologienetz seit Jahren in den Auf- und Ausbau von radiologiespezifischen Dienstleistungen und in Verbundprojekte (z. B. berufspolitisches Lobbying, Versorgungsprojekte wie RaDiagnostiX, Gerätegesellschaft DeRaTek) und unterstützt damit seine Mitglieder bei ihrer Zukunftssicherung. Von den für Mitglieder in Euro quantifizierbaren Erfolgen seien exemplarisch Mehreinnahmen durch die qualitätsgesicherte mpMRT der Prostata sowie Kosteneinsparungen auf bestehende Siemens-Wartungsverträge genannt.

Anders als einzelne Hersteller hat der Verbundeinkauf im Radiologienetz ein hohes Substitutionspotenzial (inkl. Generika und Reimporte) und kann die Mitglieder langfristig sicher mit allen benötigten Kontrastmitteln versorgen. Dazu wurden Szenarien (z. B. Substitution, Teilnahme an Ausschreibungen und Rabattverträgen, Kooperationen) vorbereitet, die es ermöglichen, dass das Radiologienetz unter allen Kontrastmittel-Konstellationen weiterhin uneingeschränkt und rechtlich sauber seine Mitglieder stärkt.

Die verbindliche Zusammenarbeit im Radiologienetz und auch der vertrauensvolle Zusammenhalt der Netzpraxen sind in den nächsten Jahren besonders wichtig. Nur ein starkes Radiologienetz mit zuverlässigem Mitgliedermandat kann sich nachdrücklich und überzeugend für die Verordnungsfreiheit seiner Mitglieder einsetzen und mit Lieferanten und Entscheidern im Sinne der Mitglieder verhandeln.

kontrastmittel-karte

Ihre Ansprechpartner:

Verbundeinkauf:
Bernhard Seidler
bes@curagita.com

Netzmanagement:
Eva Jugel
eju@curagita.com

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