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Sinken Praxiswerte ab 1. April?

In Berlin wird damit gerechnet, dass das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) zum 1.4.2019 verabschiedet werden soll. Im Gesetzentwurf der Bundesregierung und des Bundestages sollen die nicht-ärztlichen Dialyseeinrichtungen als MVZ-Gründer ausgeschlossen werden, was die Wettbewerber der DeRaG treffen und sie zwingen würde, Krankenhäuser zu kaufen, um weiter wachsen zu können. Sollten die Änderungswünsche, die der Bundesrat auf Intervention insbesondere der zahnärztlichen Institutionen einbrachte jedoch noch Eingang in das Gesetz finden, würde das Radiologen, die ihre Praxisanteile in absehbarer Zeit verkaufen wollen, unmittelbar berühren. Die vom allerdings nicht das Gesetz verabschiedenden Bundesrat gewünschte Beschränkung der Gründungsberechtigung von MVZs wird investorengesteuerte Geschäftsmodelle deutlich erschweren – die Deutsche Radiologienetz AG (DeRaG) rechnet damit, dass derzeit aktive Aufkäufer („asset collectors“) ihr Interesse verlieren werden. Die so sinkende Nachfrage nach Praxen wird sich sehr stark auf die Kaufpreise auswirken, die für Praxen geboten werden. Zwar gilt Bestandsschutz für die heutigen MVZ, die in ihrer unmittelbaren Umgebung auch weiter wachsen können, aber die Gründung von neuen MVZ zum Kauf von Praxen wären, wenn das TSVG im Sinne des Bundesrats verabschiedet würde, aus heutiger Sicht beschränkt.

Den Grundtenor des TSVG begrüßen Vorstand und Radiologenaktionäre durchaus: Nicht umsonst liegt die DeRaG mehrheitlich in der Hand von Radiologen. Wie der Gesetzgeber sind auch alle Beteiligten der DeRaG daran interessiert, reine Rendite-Interessen von der Radiologie fernzuhalten und die Kontrolle über das Fach den Radiologen zu sichern, auch wenn der Weg zurück in die klassische Einzel- oder Zweierpraxis heute illusorisch ist.

Das Terminservice- und Versorgungsgesetz, das u.a. auch eine Mengenabstaffelung für technische Leistungen im neuen EBM (ab 1.1.2020) vorsieht, wird im Januar erneut diskutiert und im April verabschiedet werden. Einige Veränderungen und ihre Auswirkungen auf die Radiologie wurden bereits in der CuraCompact-Ausgabe 3/2018 vorgestellt, wie die geplante extrabudgetäre Vergütung für Hausärzte, für Akut-/Notfallsprechstunden und für die Behandlung von neuen Patienten – alles vor allem nur insofern für die Radiologie relevant, als das nicht davon auszugehen ist, dass neues Geld ins System für diese Vergütungen hinzu kommt. Vielmehr ist einmal wieder von der Abstaffelung technischer Leistungen die Rede als Beitrag für eine mögliche Gegenfinanzierung der geplanten Maßnahmen. Weiterhin ist mit mehr statt weniger Bürokratie zu rechnen, der stationäre Sektor wird gestärkt, Terminservicestellen weiter ausgebaut und die Mindestsprechstundenanzahl erhöht.

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