Editorial 1/2021

Liebe Mitglieder im Radiologienetz,

wir hoffen, Sie sind alle gut ins Neue Jahr 2021 gestartet. Noch ist unser aller Alltag vom Pandemiethema beherrscht. So manche Mitgliedspraxis befindet sich vielleicht gerade im Auge des Zyklons, wenn parallel verschiedene Mitarbeitende ausfallen, sei es aus Krankheits-, Quarantäne- oder Betreuungsgründen. Die gute Nachricht ist, dass eine Reihe von Praxen zurückmelden, dass sich die Patientenzahlen fast vollständig normalisiert haben und der Praxisbetrieb – hygienisch aufgerüstet – auch im Lockdown rund läuft.

Eine zweite positive Nachricht ist, dass die Gesellschaft und die Arbeitswelt durch den „Covid-19-Katalysator“ digitaler geworden sind. Zwar bedauern wir das Fehlen echter Begegnungen und des direkten Austauschs. Aber die Akzeptanz digitaler Kanäle ist in den letzten 10 Monaten enorm gestiegen. So starten wir 2021 mit verschiedenen Online-Fortbildungen in der CurAcademy und einer Online-Vollversammlung am 17. März. Der Radiologentag indes, der von kollegialem Vor-Ort-Treffen lebt, wird neu terminiert, sobald ein Ende der Beschränkungen absehbar ist. Hinter Radiologienetz 2025 stecken Zukunftsthemen, die unsere Netzmitglieder gemeinsam angehen wollen. Ihre Erwartungen und Ideen sind daher gefragt und wir freuen uns auf Ihren Input. Continue reading „Editorial 1/2021“

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2021: Gut für Geräteinvestitionen?

Ein außergewöhnliches Jahr liegt hinter den radiologischen Praxen. Der Einschlag der Coronakrise riss im Frühjahr ein ziemliches Loch in die Einnahmenseite, da (Privat-)Patienten zunächst ausblieben. Diese Situation verschärfte sich in vielen KV-Regionen durch die drohenden Einbußen aufgrund der EBM-Reform ab 1. April.

Aufgefangen wurde dies glücklicherweise bei den allermeisten Praxen durch die KV-Rettungsschirme, sodass nach sommerlicher Stabilisierung der Patientenzahlen die Praxisschiffe wieder auf Kurs waren und die allermeisten Praxen mit einem blauen Auge davonkamen.

Gegensteuern auf der Kostenseite konnte man als Praxisunternehmer nur in wenigen Bereichen. Das Verschieben von Geräteinvestitionen ist einer davon. Wenngleich durch die Mehrwertsteuersenkung von 19 auf 16 Prozent im zweiten Halbjahr 2020 Investitionsanreize geschaffen wurden, die bei siebenstelligen Investitionen etwa im Bereich Kernspintomographie durchaus bedenkenswert waren, konnte das Curagita Geräteteam keinen außergewöhnlichen Anstieg bei den Gerätekäufen feststellen. Stattdessen warteten viele Praxen, die in der Vergangenheit schon Kaufinteresse artikuliert hatten, erstmal ab. Diese Tendenz wurde nun auch durch die Jahresanfangsgespräche mit der Geräteindustrie im Januar bestätigt. Continue reading „2021: Gut für Geräteinvestitionen?“

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Orthovolttherapien: Was ist von den EBM-Änderungen ab 1.1.2021 zu erwarten?

Anlass, sich mit dem Thema Orthovolttherapie näher zu beschäftigen, war die Anfrage einer Mitgliedspraxis Ende letzten Jahres, die sich mit dem Gedanken trägt, eine Orthovoltanlage zu beschaffen. Grund genug für das Curagita-Team, sich nicht nur im Gerätebereich mit Vorteilsbetrachtungen von Gerätealternativen zu beschäftigen, sondern sich zusätzlich mit den Änderungen im EBM-Kapitel 25 Strahlentherapie zu befassen, die vom Bewertungsausschuss am 15. September 2020 beschlossen wurden und zum 1.1.2021 in Kraft getreten sind. 

Dabei wurde auch festgelegt, dass die strahlentherapeutischen Leistungen für den Zeitraum vom 1.1.2021 bis zum 31.12. 2022 in die morbiditätsorientierte Gesamtvergütung (MGV) überführt werden. Das bedeutet, dass strahlentherapeutische Leistungen ab diesem Jahr nicht mehr automatisch nach EBM vergütet werden, sondern dass sich das Honorar nach den regionalen Honorarverteilungsvereinbarungen richtet. Nachdem diese Änderungen auch alle Radiologen betreffen, die bisher schon Orthovolttherapien durchführen, erscheint es geboten, die Änderungen im Kapital 25 im Hinblick auf ihre Folgen für die Radiologen genauer in den Blick zu nehmen.

Je nach Art der Bestrahlungsplanung konnten bei einer Bestrahlungsserie bisher z. B. 139 € oder 282 € abgerechnet werden. Siehe Tabelle 1. Continue reading „Orthovolttherapien: Was ist von den EBM-Änderungen ab 1.1.2021 zu erwarten?“

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Vom Monitor bis zum Ultraschall: Auch Kleingeräte gehören zum täglichen Geschäft

Über Großgeräte-Beschaffungen – vom Schnittbild bis zur Röntgenanlage – durch das Curagita-Team berichten wir regelmäßig. Was nicht alle Mitgliedspraxen wissen: Auch Kleingeräte, die in der Radiologie benötigt werden, wie Monitore, Dicomdrucker, aber auch eine Nummer größer, z.B. Ultraschallgeräte und KM-Injektoren, können über den Verbundeinkauf beschafft werden. Und das zu sehr attraktiven Konditionen. Das Geräteteam sondiert hier regelmäßig den Anbietermarkt und schließt Rahmenverträge mit präferierten Lieferanten ab, von denen Mitgliedspraxen profitieren können. „Wir suchen dabei die Hersteller aus, die nach unserer Ansicht und den Erfahrungen der uns bekannten Nutzer in den Praxen das beste Preis-Leistungs-Verhältnis in der jeweiligen Produktkategorie anbieten“, sagt Daniel Ellwanger, der dieses Geschäft im Team von Frank Vogel verantwortet. Durch dieses Konzept werden Volumina (bei möglichst einem Hersteller) gebündelt, die zu attraktiven Konditionen führen und außerdem zu einer sehr konzilianten Gewährleistungsabwicklung.

So hat das Curagita-Team in den letzten zwei Jahren bei der Firma Eizo 72 Monitore und bei der Firma Medtron 21 KM-Injektoren für Praxen im Radiologienetz beschafft. „Das heißt nicht, dass wir nicht auf Wunsch auch Angebote bei anderen Herstellern einholen“, versichert Ellwanger, weiß aber, dass bei der genauen Prüfung verschiedener Angebote der jeweilige Hauptlieferant aufgrund der besseren Konditionen meist das Rennen macht. Continue reading „Vom Monitor bis zum Ultraschall: Auch Kleingeräte gehören zum täglichen Geschäft“

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Der Medizinphysik-Experte (MPE) in der radiologischen Praxis

Interview mit Martin Kolodziej, Medizinphysik-Experte und Gründer von Co.MPE.tent, einem bundesweiten MPE-Netzwerk

CuraCompact: Wozu muss eine radiologische Praxis einen MPE hinzuziehen?

Martin Kolodziej: Das Hinzuziehen eines Medizinphysik-Experten (kurz MPE) ist bei Strahlenanwendungen mit erheblichen Expositionssituationen Pflicht. In § 131 StrlSchV (2) 3. und 4. werden die Situationen für die Radiologie näher beschrieben. Unter erheblichen Expositionssituationen versteht das Gesetz zum einen Untersuchungen, die mit einem Computertomographen oder mit Geräten zur dreidimensionalen Bildgebung von Objekten mit niedrigem Röntgenkontrast durchgeführt werden, mit Ausnahme der Tomosynthese. Weiterhin gehören auch Interventionen dazu, bei denen die Röntgeneinrichtung zur Durchleuchtung verwendet wird. Diese Verpflichtung gilt für bestehende Anzeigen und Genehmigungen ab dem 31.12.2022. Für Anmeldungen von Neugeräten sowie bei Betreiberwechseln entfällt die Übergangsfrist. In beiden Fällen ist bereits seit dem 31.12.2018 ein MPE hinzuzuziehen. Continue reading „Der Medizinphysik-Experte (MPE) in der radiologischen Praxis“

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Sequenzoptimierung mit HQ Imaging: Jörg Marz, Partner in der Mitgliedspraxis Franken-Hohenlohe berichtet über Projekterfahrungen

Die klassische Applikation beim Hersteller wird in der Regel durch erfahrene, aus der Praxis kommende und auf das jeweilige Gerät geschulte Fachkräfte durchgeführt. Sie stellen nach Installation eines MRT die Sequenzen zusammen mit dem Kunden auf dessen Bedürfnisse ein.

HQ Imaging ist ein herstellerunabhängiges Unternehmen. Es besteht aus einem jungen Team von Physikern des Deutschen Krebsforschungsinstituts DKFZ, die sich mit der Idee selbstständig gemacht haben, Scanner anzupassen und die MRT-Protokolle für die verschiedenen Körperregionen zu optimieren. Ihr Ziel und Anspruch ist es, Verbesserungen zu realisieren durch Einflussnahme auf Bildqualität und/oder Workflow. Das engagierte Team um Dr. Michael Bach stellte sich bereits 2017 im Radiologienetz vor und hatte Einsätze bei den Conradia-MVZ in Hamburg und München sowie in diversen Netzpraxen, insbesondere bei den Teilnehmern des mpMRT-Prostata-Projekts RaDiagnostix. Ging es bei Letzterem vorwiegend um Kalibrierung und Standardisierung und in den Conradia-MVZ um Verkürzung von Untersuchungszeiten, standen beim Pilotprojekt in Franken-Hohenlohe die qualitativen Aspekte im Vordergrund der Optimierungsaktivitäten. Continue reading „Sequenzoptimierung mit HQ Imaging: Jörg Marz, Partner in der Mitgliedspraxis Franken-Hohenlohe berichtet über Projekterfahrungen“

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Braucht man für alle Durchleuchtungen einen MPE?

Das neue Strahlenschutzgesetz und seine Verordnungen werfen im Praxisalltag immer noch Fragen auf. So erhielten wir aus einer Mitgliedspraxis die Frage nach der Stellung eines Medizinphysik-Experten (MPE) für alle Durchleuchtungen. Dies sind die neuesten Angaben dazu aus unserem Geräte-Team.

Bei Durchleuchtungen muss man für alle interventionellen Untersuchungen einen MPE hinzuziehen, da es sich hierbei um Hochdosis-Untersuchungen handelt. Darunter fallen auch alle Angiographien. Das Hinzuziehen des MPE wird erst zum 1.1.2023 für alle Geräte Pflicht. Bis dahin gilt die Übergangsfrist für Bestandsgeräte. Anders sieht es bei Neuanschaffungen aus, für die die neuen Regelungen direkt gelten. Weiterhin gibt es eine Reihe von Ereignissen, welche die Übergangsfrist beenden und das Gerät ebenfalls schon an die Neuregelungen binden. Dazu gehören ein Betreiberwechsel, der von den Behörden als Neuinstallation angesehen wird, Röhren- bzw. Strahlertausch ebenso wie ein Umzug der Anlage. Continue reading „Braucht man für alle Durchleuchtungen einen MPE?“

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Creating a better radiology report: Kollegiale Empfehlungen aus Übersee

Am 1. Oktober veröffentlichten die Radiologen Michael P. Hartung, Ian C. Bickle, Frank Gaillard und Jeffrey P. Kanne aus den USA, England und Australien einen Artikel in der Zeitschrift Radiographics, der von Matt O´Connor auf der Online-Plattform Health Imaging zusammengefasst wurde. „How to create a great radiology report“ befasst sich intensiv mit  dem Befundbericht. Die Autoren stellen Schlüssel-Prinzipien vor, die beim Erstellen des Befundberichts berücksichtigt werden sollten, um sicherzustellen, dass die Reports von den Zielgruppen wirklich verstanden werden.

Sie bedauern, dass die Erstellung eines Befundberichts in der Regel weltweit immer noch nicht Teil der radiologischen Ausbildung ist. Es ist daher dem individuellen Mitteilungsbedürfnis des befundenden Radiologen überlassen, wie ausführlich oder knapp, wie deskriptiv oder implikativ und für welche Zielgruppen geeignet er seine Erkenntnisse aus der Bildgebung formuliert.

Die Verfasser vertreten die Meinung, dass Befundberichte die wichtigsten Instrumente des Radiologen zur Gesundheitsversorgung der Patienten darstellen. Die Zielgruppen dieser Befundberichte hätten sich in den letzten Jahren erheblich erweitert. Es seien nicht nur die weiterbehandelnden Fachkollegen, sondern auch die Patienten selbst, ihre Familienmitglieder, nicht-ärztliche Mitarbeiter von Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen und sogar Forschungseinrichtungen, die sich für die Lektüre von Befunden interessieren. Letztere insbesondere im Zusammenhang mit dem Thema Automatisierung und Strukturierung des Befundungsprozesses. Dies alles mache es notwendig, vor Erstellung des Befundberichts die verschiedenen Bedürfnisse der möglichen Leser zu bedenken. Außerdem sollten im Befundbericht die Beschreibung dessen, was der Radiologe sieht, und die Schlüsse, die er daraus ziehen möchte, getrennt werden. Continue reading „Creating a better radiology report: Kollegiale Empfehlungen aus Übersee“

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Was hab‘ ich – Gemeinnütziges preisgekröntes Patientenportal wird 10 Jahre alt!

Befunde sollten auch von der Zielgruppe Patienten verstanden werden. Dieser Anspruch, den die Forschergruppe in ihrer Veröffentlichung „Creating a better radiology report“ postuliert, wird bereits seit nunmehr zehn Jahren von einem gemeinnützigen Patientenportal mit der selbsterklärenden Webadresse washabich.de in konkrete Lösungen umgesetzt. Auf der kostenfreien Plattform können Patienten Befunde hochladen und diese von ehrenamtlich tätigen Ärzten und Medizinstudenten verständlich ausformulieren lassen. Die Idee kam Anja und Johannes Bittner – zwei Medizinstudierenden aus Dresden – als sie sich fragten, wen die Menschen wohl um Auskunft bitten, wenn im Familien- und Bekanntenkreis kein Arzt verfügbar ist. Das Portal wurde binnen kürzester Zeit zur beliebten Anlaufstelle für Patienten. Gleichzeitig spann sich ein Netz an Medizinstudierenden und Ärzten in ganz Deutschland und darüber hinaus, um die vielen Anfragen zu bearbeiten.

Mittlerweile sind mehr als 47.000 Befunde in leicht verständliche Sprache übersetzt worden. Die Nachfrage zeigt, dass der Bedarf durchaus vorhanden ist und es sich beim Thema Befundverständlichkeit und -zielgruppen keinesfalls um eine rein akademische Diskussion handelt. Heute unterstützen der Marburger Bund, der Hartmann-Bund und die Bundesärztekammer das Projekt und kein geringerer als Dr. Eckart von Hirschhausen engagiert sich als Botschafter. Aus dem Studentenprojekt hat sich ein erfolgreiches Sozialunternehmen entwickelt. Was hab’ ich? realisiert mittlerweile verschiedene wirkungsvolle Projekte, die alle ein Ziel haben: Ärzte und Patienten auf Augenhöhe bringen und so das Gesundheitswesen nachhaltig verbessern.

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Stellenwert und qualitative Voraussetzungen der Magnetresonanztomographie für die Therapieplanung beim lokal fortgeschrittenen Rektumkarzinom – interdisziplinäre Empfehlungen

Zeitschrift für Gastroenterologie, Vol. 58, Juni 2020, S. 577-582
U.Attenberger et al., Mannheim

Zum sofortigem operativem Vorgehen bei Vorliegen eines Rektumkarzinoms gelten folgende MRT-Kriterien: Tumorinfiltration von weniger als 5 mm ins perirektale Fettgewebe, nicht bedrohter Resektionsrand, keine positiven Lymphknotenmetastasen, keine extramurale Veneninfiltration. Weiterhin diagnostiziert die MRT therapierelevante Risikostrukturen, wie die mesorektale Faszie. Bei MRT-Nachweis einer Tumorinfiltration in das mesorektale Fettgewebe wird zunächst eine neoadjuvante Chemotherapie empfohlen.

Auf dem Boden optimierter Bildgebung sind heute die Therapieangebote für Patienten mit einem Rektumkarzinom (RK) deutlich differenzierter geworden. In den S3-Leitlinien wird beim lokal fortgeschrittenem RK (Stadium II und III), dessen Unterrand innerhalb der unteren zwei Drittel liegt, zunächst eine neoadjuvante Radiochemotherapie (RCHT) z.B. auf Basis von 5-Fluorouracil empfohlen. Continue reading „Stellenwert und qualitative Voraussetzungen der Magnetresonanztomographie für die Therapieplanung beim lokal fortgeschrittenen Rektumkarzinom – interdisziplinäre Empfehlungen“