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Netzthemen im Frühjahr: Corona und EBM-Reform

Corona hat uns in den vergangenen Monaten jede Menge Herausforderungen beschert. Die im Frühjahr angesetzten Vollversammlungen wurden, da, wo es drängte, per Webinar abgehalten. Mit ermutigenden Rückmeldungen!

 

Digital First ist das neue Gebot, wenn es um Kommunikation innerhalb von Unternehmen oder Netzwerken wie dem Radiologienetz in Deutschland geht. Wir haben den Informationsfluss zu den Netzmitgliedern in den vergangenen Monaten an die aktuelle Situation angepasst und konnten in regionalspezifischen Webinaren anstelle von Vollversammlungen weiter digital informieren, diskutieren und miteinander interagieren.

 

Mitte März erreichte uns in der Vorbereitungsphase der Frühjahrs-Vollversammlungen das Versammlungsverbot. Nach Sichtung der Agenda gab es zwei zeitkritische Themen: Umgang mit der Coronakrise (damals noch in der Anfangsphase) und Auswirkungen der EBM-Reform auf die Vergütung in radiologischen Praxen. Das Thema Coronakrise entwickelte eine heftige Dynamik, der man nur durch punktuelle aktuelle Newsletter gerecht werden konnte. Dort berichteten wir über die Versorgung mit Hygieneartikeln, die umständehalber knapp und teuer wie nie wurden, und über erste BestPractices in der Umorganisation der praxisinternen Prozesse. Diese erreichten uns über den Corona-Beauftragten der Conradia-MVZ, Professor Dr. Thomas Henzler, und auch telefonisch über viele Gespräche mit Radiologen und Praxismanagern aus Mitgliedspraxen. Das CuraProtect-Team erstellte eine von Anette Butzmann vertonte Hygiene- und Arbeitsschutzunterweisung Corona, die allen Mitgliedspraxen (nicht nur den CuraProtect-Praxen) zugänglich gemacht wurde. Da die Coronakrise so schnell nicht vorübergehen wird und die Gesundheitsbranche ganz schön durchgeschüttelt hat und dies immer noch tut, haben wir sie und das Thema Krisenmanagement in dieser Ausgabe zum Schwerpunkt gemacht (ab Seite 11).

Bei den Auswirkungen der EBM-Reform auf die Vergütung in radiologischen Praxen hatten wir  in der Mitgliederzeitschrift CuraCompact 1/2020 bereits im Vorfeld der Krise die wichtigsten Punkte KV-regionenspezifisch zusammengefasst. Für einen großen Teil unserer Mitgliedspraxen in den Bundesländern Baden-Württemberg und Bayern enthielt dies die gute Nachricht, dass sich die beschlossenen Kürzungen für die technikorientierten Fachrichtungen aufgrund der regionalen HVM-Regelungen zunächst nicht oder nur gering auswirken werden.

 

Für andere Regionen mit weniger Transparenz und/oder signifikanten Änderungen aufgrund der HVM-Regelungen boten wir regionenspezifische Webinare an.

 

Radiologen in RLP schreiben KV-Vorsitzenden an

Am 30. März fand unser erstes Webinar für Mitglieder aus der KV-Region Rheinland-Pfalz statt. Es dauerte 45 Minuten, in denen KV- und Abrechnungs-Experte Carsten Krüger die für die Region relevanten Änderungen vorstellte und anschaulich machte, wie sich diese auf Vergütung und Praxisgewinn auswirken. Danach hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, Fragen zu stellen und sich in eine Diskussion einzubringen, wie man sich als Praxis strategisch am besten für die neue Situation rüstet: Mengenausweitung oder eher weniger Kassenleistungen? Im Webinar für die Region Rheinland-Pfalz wurde klar, dass hier heftige Einschnitte (im zweistelligen Prozentbereich) spätestens im nächsten Jahr insbesondere in der Vergütung der Schnittbilddiagnostik zu erwarten sind. Diese Situation kann durch die der Coronakrise geschuldeten finanziellen Einbußen dramatische Auswirkungen für die eine oder andere Praxis haben. Die am Webinar teilnehmenden Radiologen regten daher eine Aussetzung der EBM-Reform bis zum Jahresende an, was vom Netzmanagement im Nachgang zum Webinar in einen Brief der Fachbeiräte an den rheinland-pfälzischen KV-Vorsitzenden Dr. Peter Heinz umgesetzt wurde. Das erfreulich zeitnahe Antwortschreiben ist im Zusammenhang eines vorösterlichen KV-Schreibens der KV RLP an alle Vertragsärzte im KV-Bereich zu sehen. In diesem wurde den Ärzten versichert, dass es eine „Absicherung nach unten“ für Corona-bedingte GKV-Einbrüche geben werde. Die Untergrenze des zu verkraftenden Schadens liege beim Nachweis von mindestens 10 % Fallrückgang pro Quartal bei 90 % der Vorjahresquartale. Dies gelte bereits rückwirkend für das 1. Quartal 2020. In der Antwort auf den Radiologienetz-Brief wurde weiterhin auf eine geplante HVM-Änderung verwiesen, über die die Vertreterversammlung im Juni abstimmen soll. Das wäre eine gute Nachricht, insbesondere für die Praxen, die durch die Coronakrise stark betroffen sind. Verbindlich und transparent wird die neue Regelung erst mit der Veröffentlichung der HVM-Änderung im Sommer. Positiv zu werten ist, dass die Situation der rheinland-pfälzischen Radiologen Gehör fand.

 

Bundesweit schwerwiegenste EBM-Auswirkung in Nordrhein

Dramatischer stellt sich die Situation für die Radiologen in der KV-Region Nordrhein dar. Als die Informationen zum HVM im April endlich veröffentlicht wurden, analysierte Carsten Krüger die sehr ernüchternden Ergebnisse für die dortigen Mitgliedspraxen. „Keine Arztgruppe ist mit derart heftigen Korrekturen der Leistungsbewertung konfrontiert. Der HVM in Nordrhein führt dazu, dass sich die Honoraranpassungen für Radiologen in Nordrhein besonders einschneidend darstellen. Insbesondere im diagnostisch immer wichtiger werdenden Schnittbildbereich müssen sie teilweise über 14 % Honorarverlust in Kauf nehmen. Durch die Absenkung erfahren radiologische Praxen eine Gewinnreduzierung von mehr als 20 %, ohne dass sie dies durch Kosteneinsparungen wettmachen können (>80 % Fixkosten). In anderen KV Bereichen (Berlin, Rheinland-Pfalz) wurde zumindest eine Konvergenzphase berücksichtigt, um die deutlichen Bewertungsverluste abzufedern.“ Die Stimmung am Ende des Webinars war entsprechend gedrückt. Auch hier entschieden sich die Radiologen, in einem Brief an die KV auf ihre Situation aufmerksam zu machen und eine Aussetzung der EBM-Reform bis zum Jahresende zu fordern, um die Corona-bedingten Einbrüche aufzuholen. Darüber hinaus verlangten sie Vergütungsgarantien auf Basis der Vorjahresquartale und Härtefallregelungen. Obwohl den Radiologen in Nordrhein stärkere Vergütungsminderungen als im EBM vorgesehen drohen, blieb der Brief an den KV-Vorstand Dr. Frank Bergmann bisher folgenlos.

 

So wie es aussieht, ist die KVNO nicht bereit, die überdurchschnittlichen Vergütungsrückgänge der Radiologinnen und Radiologen in der Region Nordrhein durch HVM-Anpassungen prinzipiell zu korrigieren. Sie stellte in einem Antwortschreiben nurmehr in Aussicht, eine Lösung zu finden, GKV-Honorarminderungen, die nicht EBM-bedingt, sondern Pandemie-bedingt stattfanden, auszugleichen.

 

Webinare in den KV-Regionen Hessen und Berlin

Auch für Mitgliedspraxen in den KV-Regionen Hessen und Berlin fanden entsprechende Webinare statt. In beiden Regionen sind radiologische Praxen zunächst nicht so stark vom Rückgang betroffen, wie die EBM-Reform dies vermuten lässt. Insbesondere Berlin profitiert noch von einer HVM-Reform aus dem 4. Quartal 2018, die die Fallwerte für MRT innerhalb einer noch nachwirkenden Konvergenzphase signifikant ansteigen ließ. Die Strategieempfehlung von Krüger für beide Regionen lautete ganz klar: Ausweitung der Leistungsmenge. Aber auch hier ist er nur verhalten optimistisch. „Leistungsmengenausweitung ist kurzfristig nur erfolgreich, wenn die budgetübersteigenden Leistungen auch angemessen vergütet werden. Aber auf lange Sicht hat sie den Radiologen immer Vorteile gebracht“, erläuterte er den teilnehmenden Radiologen. Und dann gelte natürlich für alle, dass die GOÄ-Reform noch aussteht, die das nächste Unheil für die niedergelassene Radiologie bringen könnte. „Die rosigen Zeiten sind vorbei. Insbesondere die Kombination der EBM-Reform mit der Coronakrise bringt so manche Praxis wirtschaftlich ins Wanken“, konstatiert er ernst.

 

Das Feedback zum Format Webinar war indes durchweg positiv. So schrieb uns ein westpfälzischer Mitgliedsradiologe, dass das Webinar für ihn „eine hervorragende Sache“ war: „Ich habe mit wenig Zeitaufwand wichtige Informationen erhalten und konnte mich an der Diskussion beteiligen. Herzlichen Dank für die tolle Veranstaltung! Ich fände es toll, wenn mehr Veranstaltungen in diesem Rahmen stattfinden würden.“ Immerhin „spare“ er drei Stunden Fahrtzeit beim selben informatorischen Input. Ähnliche Kommentare und Rückmeldungen erhielten wir in allen Webinaren, sodass wir künftig die Netzkommunikation auf jeden Fall um dieses Format bereichern werden.

 

 


Ihre Ansprechpartnerin

Eva Jugel
eju@curagita.com

 

 

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