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Happy Birthday Curagita 20 Jahre „Cura et agita“ – Innovationen für die niedergelassene Radiologie

Vor 20 Jahren gründete Johannes Schmidt-Tophoff (JST) am 19. März 1999 die Curagita AG. Seine Geschäftsidee war es, nach US-amerikanischem Vorbild Radiologiepraxen zu kaufen und im Verbund zu betreiben. Seitdem hat sich in der Branche viel getan. Curagita war stets vorne dabei und hat viele innovative Ideen in die niedergelassene Radiologie hineingetragen. Hier eine Würdigung der Highlights der letzten 20 Jahre:


Radiologienetze

Schmidt-Tophoffs Euphorie, die er aus seiner Zeit in der Europazentrale von GE Medical in Paris und einer mehrmonatigen „Praxis-Runde“ beim Marktführer Insight Health in den USA mitbrachte, mündete gleich nach der Unternehmensgründung in eine gewisse Ernüchterung nach ersten Kontakten mit dem deutschen System der hochregulierten Zu- und Niederlassungen. Nach Kursanpassungen auf deutsche Fahrwasser traf er auf visionäre Radiologen in der Rhein-Neckar-Region, die zwar nicht ihre Praxen verkaufen wollten, aber Kooperation und Synergie suchten. So gründete er mit ihnen das erste regionale Radiologienetz Rhein-Neckar-Pfalz. Mit einem interdisziplinären Team baute er Curagita zum Verbunddienstleister für die Mitgliedspraxen auf, immer in Abstimmung mit den Mitgliedern, mit denen man sich vierteljährlich nach Praxisschluss traf und teilweise bis in die Nacht heftig gemeinsame Projekte diskutierte. Dabei war es die Aufgabe von Curagita, Impulse von den Mitgliedsradiologen aufzunehmen oder in die Treffen hinein zu geben, daraus Entscheidungsvorlagen zu erarbeiten und Beschlüsse der Radiologen aus den sogenannten (mittlerweile über 200) Vollversammlungen umzusetzen. Schon 2002 kam Dr. Michael Kreft an Bord. Mit seiner Firma Medigora baute er fachübergreifende Ärztenetze auf und verfolgte insofern die gleichen Geschäftsideen. Seither setzt er sich als Mitunternehmer für den quantitativen und qualitativen Ausbau des Radiologienetz Deutschland ein.

CuraGenerika und der Doppelrabattvertrag

Erstes gemeinsames Projekt war der Verbundeinkauf von Praxis- und Sprechstundenbedarf. Die Radiologen waren es, die Curagita früh auf die Idee brachten, mit Kontrastmittel zu handeln und mit diesen Margen das Wachstum der Curagita zu finanzieren. Als dann noch ein Kollege und ehemaliger Schering-Mitarbeiter berichtete, dass man „Magnevist in der Badewanne kochen“ könnte, entwickelte der ursprünglich aus der Chemiebranche stammende JST zusammen mit seinem Stiefvater, einem ehemaligen BASF-Produktionsdirektor und einem Chemie-Patentanwalt, das Produkt nach. Finanziert zusammen mit Radiologen in einer eigenen AG & Co KG erwirkte Curagita 2004 die europaweit ersten Generikumszulassungen für Magnegita, die um weitere Zulassungen zum generischen Insight Agents-Gesamtsortiment erweitert wurden. Zu Curagitas Enttäuschung lehnten die Kassen den Vorschlag von Einsparungen in Höhe von bis zu 100 Mio. € ab, weil sie im Rahmen des innovativen Doppelrabattvertrags den Radiologen die Hälfte der Einsparungen als Anreiz für den Generikumseinsatz hätten abgeben sollen. Daher verkaufte Curagita 2010 das eigene KM-Geschäft an Agfa. Übrigens, bis heute können die Kassen trotz Ausschreibungen diese von CuraGenerika angebotenen Einsparungen nicht realisieren. Und die vielen damaligen Generikagegner setzen heute alle Generika ein.

 

Wartungsgruppenverträge: Erst CuraFonds, dann CuraTop.

Stuttgart, DEU, 29.09.2006 Stuttgart, DEU, 29.09.2006 Dienstleisterwettbewerb 2006 des baden-wuerttembergischen Wirtschaftsministeriums.Der ba-wue Staatsskretaer Drautz verleiht die Urkunde an die Curagita AG.

Dem Verbundeinkauf folgten weitere Dienstleistungen: Geräte-, Qualitäts-Management, Praxis-IT (zeitweise CuraSystem, das an GE verkauft wurde), Beratung zu allen betriebswirtschaftlichen und Honorar-Themen und Verträgen, Benchmarking, Praxismarketing und Personalrecruiting. Viele neue Netzpraxen konnten in dieser Zeit gewonnen werden, da auch sie von einem auf ihre Bedürfnisse spezialisierten Unternehmen begeistert waren, das sie bei Kostenminimierung, Einnahmenoptimierung und Qualitätsmedizin unterstützte. Einen Höhepunkt der in Geld direkt messbaren Verbundvorteile stellt sicherlich der innovative, wartungsrückversichernde CuraFonds-Vertrag auf Gegenseitigkeit dar, der nach Eingehen eines Joint Ventures mit einem internationalen Third-Party-Maintenance-Anbieter 2015 zu dem zwischen Radiologienetz und Siemens vereinbarten CuraTop-Vertrag führte: Für rund 140 Siemensgroßgeräte im Eigentum von Mitgliedsradiologen konnten die Wartungskosten um durchschnittlich 10 Prozent gesenkt werden, was einer Gesamtersparnis von 1,2 Mio. € brutto pro Jahr für das gesamte Radiologienetz entspricht. Curagita als Mehrwertdienstleister, Netzmanager und Think Tank: Stolz waren die aktiven Radiologen, die mit Curagita 2004 und 2006 Landespreise für Innovation und Dienstleistung einfuhren. Gleichzeitig kann Curagita über die letzten 20 Jahre vorweisen, den Mitgliedsradiologen mehr Gesamteinsparungen (rund 40 Mio. €) zurückgegeben als seinen Aktionären Gewinne ausgeschüttet zu haben.

Mammoscreening und Versorgungsprojekte

Von Anfang an versuchte Curagita, integrierte Versorgungsprojekte mit den Krankenkassen zu platzieren, wie z.B. „SchutzSchild“ zur Versorgung der Schilddrüse oder „QUIZ – qualitätsgesicherte Indikation für die effizientere Zuweisung“. Veränderungen durchzusetzen, Versorgung in der Niederlassung zu verbessern, war der ehrgeizige Anspruch. Im Ergebnis erfolgreich waren – neben dem Lobbying für die Radiologie, dem gut besuchten Portal „radiologie.de“ oder dem in Deutschland erstmaligen Anforderungsratgeber – das EU-Teleradiologieprojekt, die schon früh mit dem Projekt MaMa gestartete Umsetzung des Mammographie-Screenings und RaDiagnostiX zur Prostatabildgebung mittels mpMRT.

Radiologie 2020 und Parteiprogramm CuraSequenz

Manch einer hatte die Idee, dass Radiologienetz eine Alternative zum in diesen Jahren etwas müde gelaufenen Berufsverband sein könnte. Mit einem gewählten Fachbeirat aus ehemaligen NoraNuk*-„Kämpfern“ legitimierte das Netz diverse Anstrengungen, um sich berufspolitisch für die Vergütung von Technikleistungen und die Interessen der kleinen Fachgruppe der Radiologen, die oft zu Unrecht als die Großverdiener unter den Ärzten durch den medialen Kakao gezogen wurden, einzusetzen. Von Anfang an forderten die Mitgliedsradiologen von Curagita berufspolitische Unterstützung. Alles begann mit dem interaktiven Zukunftsszenario Radiologie 2020 und der denkwürdigen vollbesetzten Podiumsdiskussion auf dem Röntgenkongress 2006 mit Prof. Herbert Rebscher (damals DAK Vorstand), Frank Anton (Siemens), Prof. Maximilian Reiser (Klinikum Großhadern) und Prof. Hans Pässler (Orthopäde), moderiert von der bezaubernden TV-Ärztin Antje-Katrin Kühnemann.

Obwohl sich Curagita der Risiken des politischen Glatteises bewusst war, unterstützte es den Fachbeirat 2006/07 nach Kräften, das bisher einzigartige „Parteiprogramm“ (Wortschöpfung von Netzpionier, Fachbeirat und DeRaG-Aufsichtsrat Dr. Peter Nunninger) zu erstellen, um der Berufspolitik ein messbares, transparentes und professionelles Credo zu geben, und einen BDR-Vorstandskandidaten, Jürgen Witt aus Neckarsulm, zu unterstützen. Dabei mussten wir alle lernen, wie unerwünscht gute Vorschläge in verkrusteten Strukturen sein können. Die Idee der personellen Verschränkung von Radiologienetz und Berufsverband zum Nutzen der niedergelassenen Radiologie wurde erstmal nicht weiterverfolgt.

„AGeno“ DeRaG und Conradia

Machten es die Dialysezentren und Großlabore vor, konsolidieren sich nun auch die radiologischen Praxen. Immer größere MVZ-Gebilde entstanden und entstehen durch Fusion und Zukäufe. Die Preise für Praxen explodierten in den letzten Jahren und trieben so manchem Radiologen kurz vor dem Ausstieg die Dollarzeichen in die Augen. Dies wurde unterstützt von der Private Equity-Branche, die verzweifelt neue Anlagemöglichkeiten sucht. Curagita und knapp 150 Mitgliedsradiologen wollten das Ruder nicht aus der Hand geben und im Gegenteil für ihre Branche Einzigartiges schaffen: Das war die Geburtsstunde der Deutsche Radiologienetz AG, kurz DeRaG, die von Curagita gegründet wurde mit der Idee, das genossenschaftliche Konzept des Radiologienetz auch bei diesem unternehmerischen Ansatz durch die Radiologenmehrheit beim Eigenkapital (51 Prozent der Aktien werden von Radiologen gehalten, 49 Prozent von der geschäftsführenden Curagita) mit einzubringen. Gar nicht so einfach, einen „genossenschaftlichen“ Poolvertrag zu erstellen, um einen nachhaltig erfolgreichen dritten Weg zwischen Konzern- bzw. Private Equity- und der lokalen GbR-Radiologie zu beschreiten. Nach langem Ringen gelang dies mit einem radiologischen Aufsichtsrat, der aus dem ehemaligen Fachbeirat hervorging, und gemeinsam mit vielen anderen und auch neuen und neugierigen jungen Radiologen aus Klinik und Niederlassung. Nach der Übernahme der insolventen Hanserad in Hamburg 2014 wuchs die DeRaG auf nunmehr 23 radiologisch-nuklearmedizinische MVZ-Standorte in den drei deutschen Metropolen Hamburg, München, Berlin sowie Dresden und Völklingen. Heute macht die DeRaG mit 300 Mitarbeitern, darunter 62 Ärzten, 46 Sitzen und 48 Großgeräten einen (Pro-Forma-)Umsatz von über 40 Mio. Euro.

Womit wir wieder beim 19. März wären, dieses Mal im Jahr 2019, an dem sich Dienstleistungsinnovation in der Radiologie durch „cura et agita“ – vom Radiologienetz, über Magnegita und Parteiprogramm bis hin zur DeRaG – zum 20. Mal jährt. Typisch für Curagita feiern wir kein „mission completed“, sondern den Neuanfang: Conradia, in Anlehnung an den Namen des „Ur-Radiologen“ und Nobelpreisträgers Dr. Conrad Wilhelm Röntgen soll mittelfristig nicht nur als Namensgeber für DeRaG-MVZ dienen, sondern als nahbare (Vorname!) Dachmarke für alle Aktivitäten des Curagita-Teams und der DeRaG. Ziel ist, dass Radiologen in der ambulanten Patientenversorgung auch in den nächsten 20 Jahren erfolgreich Mehrwert schöpfen von Radiologen für Radiologen. Dabei können sie sich auf ein branchenerfahrenes, schlagkräftiges interdisziplinäres Team verlassen, das Radiologen in unseren Mitgliedspraxen und in den Conradia-MVZ engagiert und befähigt, noch effizienter und effektiver Patienten zu versorgen. Stolz, aber auch kritisch blickt Unternehmensgründer Schmidt-Tophoff zurück: „Viel Feind, viel Ehr. Wen wundert‘s, dass Industrie, Verband, Kassen und Wettbewerb keine starke Radiologengruppe wollen. Unbequeme und gleichzeitig komplexe Innovationen wie Radiologienetz, CuraGenerika, Mammoscreening, Parteiprogramm, CuraFonds/CuraTop und DeRaG werden wohl immer Gegenwehr provozieren. Wir müssen aber auch einräumen, dass wir trotz all dem Eifer etwas weniger Kante hätten zeigen sollen, um weniger Gegenwind zu bekommen und um weniger Anlass für unselige Rufmord-Kampagnen zu geben, wie z.B. die unwahre Beschuldigung einer Scientology-Mitgliedschaft oder ein falsches, aber vom Berufsverband gegen uns veröffentlichtes Gutachten zu unseren Geschäftsbesorgungsverträgen. Allerdings hätte unser Ruf dann auch weniger Donnerhall gehabt“. Der Donnerhall war indes auch beim Weltmarktführer Siemens zu hören, der sich prompt 2017 mit der Tochter Siemens Project Ventures GmbH zu 30 Prozent an Curagita beteiligte. „Das adelt unser Geschäftsmodell, aber es macht es nicht einfacher“, beschreibt Schmidt-Tophoff die neue geschäftliche Verbindung mit dem Riesen. „Synergien stellen sich nicht automatisch ein und Abstimmungen und Entscheidungswege werden komplizierter.“

„Viel Arbeit, viel Stress, aber tolle Kollegen“ schrieb ein Mitarbeiter 2016 auf dem Unternehmensbewertungsportal Kununu. Man könnte hinzufügen: „Veränderung ist unsere Konstante, Gestaltung unsere Mission“. Nicht immer gefälliger Mainstream, aber stetige Innovation zusammen mit Radiologen. Es bleibt spannend, das Curagita-Team befindet sich im Jubiläumsjahr weiter in einem „Change-Prozess“, der mit dem Outsourcing einiger Teams in den letzten Jahren begann und – zumindest mit Kreft und Schmidt-Tophoff an der Spitze – nicht enden soll! Ein bisschen anders könnte es jedoch schon bald werden, da Schmidt-Tophoff im Jubiläumsjahr das „Staffelholz“ der Gesamtverantwortung an Kreft übergeben wird – natürlich ohne Rückzug, aber mit mehr Rücken frei für die Finanzierung und Umsetzung neuer Ideen und Projekte. „Das ist unproblematisch, denn seit Jahren arbeiten wir sehr eng und vertrauensvoll zusammen und fällen alle Entscheidungen als Vorstände im Einvernehmen.“ gibt sich Kreft zuversichtlich. Eines ist bei allem ganz klar: Curagita wird getragen von einer lebendigen, unternehmerischen Radiologen-Community, für die sich das gesamte Team arbeitstäglich und vollumfänglich einsetzt nach dem Motto „Geht nicht, gibt’s nicht“. Der 20. Geburtstag ist daher auch ein Anlass, „Danke“ zu sagen, den Beiräten und Aufsichtsräten direkt am 19. März, der engagierten Curagita-Mannschaft mit einem Sommerfest und den 360 Radiologinnen und Radiologen und ihren Teams in den Praxen und MVZ mit einer Geburtstagsfeier am Vorabend des diesjährigen Radiologentags (Save the Date 22. November).

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