Radiology Report

Am 1. Oktober veröffentlichten die Radiologen Michael P. Hartung, Ian C. Bickle, Frank Gaillard und Jeffrey P.Kanne aus den USA, England und Australien, einen Artikel in der Zeitschrift Radiographics, der von Matt O´Connor auf der Online-Plattform Health Imaging zusammengefasst wurde. „How to create a great radiology report“ befasst sich intensiv mit dem Befundbericht. Die Autoren stellen Schlüssel-Prinzipien vor, die beim Erstellen des Befundberichts berücksichtigt werden sollten, um sicherzustellen, dass die Reports von den Zielgruppen wirklich verstanden werden.

Eine Zusammenfassung der Empfehlungen aus dem Bericht finden Sie hier.

 

Zu diesem Anlass haben wir einen unserer Experten aus dem Netz gebeten, diese Empfehlungen von der praktischen Seite her zu kommentieren: Prof. Dr. Lars Grenacher. Er ist ärztlicher Geschäftsführer der Conradia Radiologie München und fordert Kollegen zu „harten Befunden“ auf.

Was er darunter versteht, lesen Sie im Interview hier.

comment Add Comment

Der Medizinphysik-Experte (MPE) in der radiologischen Praxis

Interview mit Martin Kolodziej, Medizinphysik-Experte und Gründer von CoMPEtent, einem bundesweiten MPE-Netzwerk

CC: Wozu muss eine radiologische Praxis einen MPE hinzuziehen?

Martin Kolodziej: Das Hinzuziehen eines Medizinphysik-Experten (kurz MPE) ist bei Strahlenanwendungen mit erheblichen Expositionssituationen Pflicht. In §131 StrlSchV (2) 3. und 4. werden die Situationen für die Radiologie näher beschrieben. Unter erheblichen Expositionssituationen versteht das Gesetz zum einen Untersuchungen, die mit einem Computertomographen oder mit Geräten zur dreidimensionalen Bildgebung von Objekten mit niedrigem Röntgenkontrast durchgeführt werden, mit Ausnahme der Tomosynthese. Weiterhin gehören auch Interventionen, bei denen die Röntgeneinrichtung zur Durchleuchtung verwendet wird, dazu. Diese Verpflichtung gilt für bestehende Anzeigen und Genehmigungen ab dem 31.12.2022. Für Anmeldungen von Neugeräten sowie bei Betreiber-wechseln entfällt die Übergangsfrist. In beiden Fällen ist bereits seit dem 31.12.2018 ein MPE hinzuzuziehen.

Die neue Strahlenschutzverordnung beschreibt als Aufgaben des Medizinphysik-Experten, die Verantwortung für die Dosimetrie von Personen zu übernehmen und insbesondere bei der Optimierung des Strahlenschutzes vor Ort mitzuwirken. Zudem soll der MPE bei der Auswahl der einzusetzen-den Ausrüstung, Geräte und Vorrichtungen mitarbeiten und die Exposition von Personen, an denen radioaktive Stoffe oder ionisierende Strahlung angewendet wird, genauso überwachen, wie die Einhaltung der diagnostischen Referenzwerte.

Außerdem gehören die Untersuchung von Vorkommnissen sowie die Durchführung von Risikoanalysen für Behandlungen und die Unterweisung sowie die Einweisung des in der Anwendung tätigen Personenkreises zu seinem Aufgabenbereich. Der Verantwortungsbereich des MPE ist groß und er verfügt über weitreichende Kompetenzen.
Continue reading „Der Medizinphysik-Experte (MPE) in der radiologischen Praxis“

comment Add Comment

„Die Infektion von Endothelzellen spielt eine Schlüsselrolle“

Covid-19 als generalisierte Entzündung?

Offenbar weit mehr als eine Atemwegserkrankung: Inzwischen mehren sich wissenschaftliche Hinweise, dass sich Covid-19 bei manchen Patienten systemisch manifestiert. Als Erklärungsansatz dafür kommt möglicherweise eine generalisierte Entzündungsreaktion in Frage. Die aktuelle Studienlage dazu und was dies für die Covid-19-Therapie bedeuten könnte, erörterte der änd mit Prof. Eberhard Windler, Co-Direktor von Conradia Medical Prevention Hamburg und Facharzt für Innere Medizin, Gastroenterologie und Endokrinologie.

Herr Prof. Windler, welche systemischen Covid-19-Verläufe und Symptome sind inzwischen bekannt und auch hinreichend belegt?

Das SARS-CoV-2-Virus reist mittels Aerosolen von Mensch zu Mensch. Daher fungieren die oberen Atemwege als Eintrittspforte des Virus, das entsprechend Nase, Rachen und nachfolgend die Lungen als erste erreicht. Voraussetzung für die Vermehrung ist allerdings der Eintritt in die Zellen, um die Wirts-DNA zur Replikation zu nutzen. Der Entwicklungsdruck hat bei allen Coronaviren zur Ausprägung der charakteristischen Füßchen geführt, die spezifisch an ACE2 andocken können – einem Exopeptid vieler Zellen, das Coronaviren als Rezeptor dient. Unter anderem Testosteron und Adipositas regulieren ACE2 herauf, was den häufigeren Befall von Männern sowie übergewichtigen Risikogruppen und den geringen von präpubertären Kindern zumindest teilweise erklären mag.

ACE2 ist aber nicht nur in den oberen Atemwegen zu finden, sondern dient auch als eines der Moleküle der Blutdruckregulation in vielen Zellen. Daher folgt als nächster Schritt einer Infektion mit SARS-CoV-2-Viren die systemische Ausbreitung unter anderem in Hirn, Herz, Muskeln, Leber, Nieren und Gastrointestinaltrakt. Das Infektionsmuster variiert individuell. So ist der Verlust von Geruchs- und Geschmackssinn zwar häufig, aber nicht obligat. Kinder klagen beispielsweise vermehrt über Bauchschmerzen und entwickeln Diarrhoen und Erbrechen als Erstsymptome. Manchen Covid-19-Patienten schwellen die Füße und Hände an, während andere Nieren- oder Herzinsuffizienz oder Rhythmusstörungen entwickeln. Diese Vielfalt schillernder Verlaufsformen ist nicht geklärt.  Continue reading „„Die Infektion von Endothelzellen spielt eine Schlüsselrolle““

comment Add Comment

Schon gewusst? Patienteninformationen zum Datenschutz müssen nicht unterschrieben werden.

In vielen Praxen staut es sich am Patientenempfang häufig. Schuld ist neben der Bewältigung der üblichen Stoßzeiten der notwendige „Papierkram“, der vom Empfangen der Überweisung und der Einpflege der Versichertenkarte über Anamnese-Erhebungen, in diesen Tagen ergänzt um einen Corona-Fragebogen bis zu diversen Einverständnis-/Einwilligungserklärungen (z.B. bei Privatabrechnungen über Dritte) reicht. Seit der Verschärfung des Datenschutzes 2018 ist darüber hinaus das Thema Datenschutz in den Fokus gerückt. Viele Praxen lassen sich nun zusätzlich die Kenntnisnahme der Patienteninformationen zum Datenschutz unterschreiben. Das ist nicht notwendig, wie unser CuraProtect-Team weiß. Datenschutz-Spezialist Dirk Schäfer dazu: “Die Patienteninformation zum Datenschutz ist Pflicht! Diese muss für Patienten verfügbar gemacht werden, unterschrieben werden muss sie nicht.“ Praxen können die Informationen beispielswiese laminieren und an der Rezeption oder im Wartebereich aushängen. Mit einem Barcode kann man das Ganze (zusätzlich) platzsparend und elegant lösen und die Informationen auf der Webseite hinterlegen. Sinnvoll ist es, sich geprüfte Vorlagen, zum Beispiel das Muster Patienteninformation zum Datenschutz auf der KBV-Seite herunterzuladen und geringfügig um die individuellen Praxisinformationen zu ergänzen.

Mehr zum Datenschutz erfahren Verantwortliche in den Mitgliedspraxen auf dem Workshop Datenschutz in der radiologischen Praxis am 30. Januar in Heidelberg oder Online.

Patienteninformationen als Muster für Ihre Praxis hier zum Download.

comment Add Comment

Creating a better radiology report: Kollegiale Empfehlungen aus Übersee

Am 1. Oktober veröffentlichten die Radiologen Michael P. Hartung, Ian C. Bickle, Frank Gaillard und Jeffrey P.Kanne aus den USA, England und Australien, einen Artikel in der Zeitschrift Radiographics, der von Matt O´Connor auf der Online-Plattform Health Imaging zusammengefasst wurde. „How to create a great radiology report“ befasst sich intensiv mit dem Befundbericht. Die Autoren stellen Schlüssel-Prinzipien vor, die beim Erstellen des Befundberichts berücksichtigt werden sollten, um sicherzustellen, dass die Reports von den Zielgruppen wirklich verstanden werden.

Sie bedauern, dass die Erstellung eines Befundberichts in der Regel weltweit immer noch nicht Teil der radiologischen Ausbildung ist. Es ist daher dem individuellen Informationsbedürfnis des befundenden Radiologen überlassen, wie ausführlich oder knapp, wie destriptiv oder implikativ und für welche Zielgruppen geeignet er seine Erkenntnisse aus der Bildgebung formuliert.

Continue reading „Creating a better radiology report: Kollegiale Empfehlungen aus Übersee“

comment Add Comment

Versuchen Sie, „harte Befunde“ zu erstellen!

Im Gespräch mit dem ärztlichen Geschäftsführer der Conradia Radiologie München, Professor Dr. Lars Grenacher

CuraCompact: Herr Professor Grenacher, was sagen Sie zu den Empfehlungen Ihrer Kollegen aus Übersee im gerade erschienenen Artikel „How to create a great radiology report“?

Prof. Grenacher: Die Befundqualität ist ein wichtiges Thema. Insbesondere in einer großen Praxis wie der unseren, sollten die Befunde einem Qualitätsstandard entsprechen, auch wenn sie von vielen verschiedenen Kollegen erstellt werden.

CuraCompact: Was gehört Ihrer Meinung nach zu einem Conradia-Qualitätsstandard?

Prof. Grenacher: Grundlegende Basics für die Befunderstellung sind aus meiner Sicht folgende Punkte:

  • Die Gliederung des Befundberichts in Befund und Beurteilung
  • Die Bewertung der im Befund beschriebenen radiologischen Auffälligkeiten im Rahmen der Beurteilung – das ist die eigentliche akademische Leistung!
  • Die Beantwortung der Fragestellung gemäß Überweisungsschein
  • Unbedingte Nutzung des kollegialen Vier-Augenprinzips bei Unsicherheiten
  • Effizienz- und Qualitätssicherung durch die Verwendung von Textbausteinen
  • Last but not least: die klinische Adäquanz der Befundberichte. Damit meine ich einmal die angemessene Ausführlichkeit der Beantwortung einer Fragestellung – Telegrammstil mit nur 2-3 Zeilen Länge geht gar nicht! Aber eben auch die korrekte Beschreibung von Pathologien. Beispielsweise sind „multisegmentale degenerative Veränderungen der LWS“ kein radiologischer Befund!

CuraCompact: Bekommen Sie Feedback von Ihren Zuweisern bezüglich der Befundqualität?

Prof. Grenacher: Natürlich erhalten wir Rückmeldungen, wenn auch – wie das immer so ist – eher in Form von Beschwerden, wenn die von mir oben ausgeführten Qualitätskriterien in der Praxis nicht umgesetzt werden. Der Befundbericht ist für die Kollegen das A und O und macht uns Radiologen erst wertvoll und unersetzbar in der Zusammenarbeit. Daher ist mir das Thema im ärztlichen Team sehr wichtig. Ich rege auch an, „harte Befunde“ zu erstellen.

CuraCompact: Was genau meinen Sie mit „harten Befunden“?

Prof. Grenacher: Oft lese ich in Beurteilungen und Befundbeschreibungen den Satz „stark eingeschränkte Beurteilbarkeit“ durch dies oder jenes (Verwacklungen, Atemartefakte, Metall, unkooperativer Patient etc.). Dadurch schränkt man die eigene Befundqualität stark ein und der Zuweiser wird immer denken, die Untersuchung ist misslungen, also kein Ergebnis und keine Antwort auf seine Fragestellung. In Wirklichkeit haben wir Radiologen doch den Auftrag, das Bestmögliche aus der Untersuchung rauszuholen.

Wenn jemand eine Hüft-TEP hat (zum Beispiel) dann kann man doch die Frage nach Analfisteln völlig uneingeschränkt beantworten. Das Metall macht doch tief perineal hier gar nichts. Oder Zahnimplantat-Artefakte beschränken doch die Fragestellung zum Ausschluss des Vorhandenseins von Hirn-Metastasen (fast) nie. Durch die Relativierungen entstehen aber beim Leser des Befundberichts falsche Eindrücke. Auch wenn vielleicht wenig erfahrene Radiologen sich eine Hintertür offenhalten wollen, dass sie einen entscheidenden Befund eventuell wegen eines Artefaktes nicht sehen konnten: diese radiologische Rückversicherung ist fast immer unnötig und ich ermutige meine Kollegen, „harte Befunde“ zu erstellen. Sie sollen lieber beispielsweise schreiben: „Trotz der Metallartefakte in der axialen T2 haste Sequenz gute Beurteilbarkeit der Anatomie: Keine Fistel, keine Metastase oder was auch immer!“

Ich bin mir sicher, dass die Empfänger des Befunds, in der Regel die Zuweiser, die Klarheit der „harten Befunde“ schätzen!

CuraCompact: Vielen Dank für das Gespräch.

Lesen Sie zum Thema auch den Beitrag Creating a better radiology report