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A single-center, randomized, controlled comparison of the transradial vs transfemoral approach for cerebral angiography: A learning curve analysis

Journal of Endovascular Therapy, Vol. 26, Oktober 2019, S. 717-724

Y. Li et al., Shanghai

 

Neben dem transfemoralen Zugang (TFA) bei der Zerebral-Angiographie kommt neuerdings der transradiale Zugang (TRA) zur Anwendung. Beim Vergleich beider Methoden zeigte sich beim TFA ein technischer Prozesserfolg von 96%, beim TRA ein solcher von 92%. Mit zunehmender Erfahrung nimmt die Gesamtuntersuchungszeit und die Durchleuchtungszeit beim TRA ab, sodass diese Methode eine echte Alternative zum TFA darstellt.

Die Herzkatheter-Untersuchung mittels transradialem Zugang (TRA) hat gegenüber dem transfemoralen Zugang (TFA) einige Vorteile: geringere Patientenbelastung, geringere Komplikationen und eine höhere Erfolgsrate. In der vorliegenden Studie sollte für beide Methoden hinsichtlich der Zerebral- Angiographie eine Lernkurve bei Anfängern angefertigt werden.

Zwischen Februar 2016 und April 2017 wurden 101 Patienten in die Studie aufgenommen. Bei 51 Patienten kam der TFA zur Anwendung. Dabei handelte es sich um 40 Männer (78,4%) und um 11 Frauen (21,6%) mit einem Durchschnittsalter von 67 Jahren. Bei 50 Patienten kam der TRA zur Anwendung. Dabei handelte es sich um 41 Männer (82%) und um neun Frauen (18%) mit einem Durchschnittsalter von 68 Jahren.

Die technische Erfolgsrate beim TRA betrug 92%, beim TFA 96%. In beiden Gruppen gab es je drei technische Fehler, wobei es sich um Punktionsfehler handelte, die durch den Lehrer bereinigt wurden. Bei den 51 TFA-Fällen betrug die Gesamtprozedurdauer 35 min (30-47,5 min), die Punktionszeit 0,6 min (0,5-11 min), die Durchleuchtungszeit 10,3 min (7,6-13,6 min) und die Strahlenbelastung 390,2 mGy (268,2-617,9 mGy). Es wurden durchschnittlich 105 ml Kontrastmittel (92-120 ml KM) verbraucht. Die entsprechenden Werte für die Patienten mit TRA waren: 31,0 min (25,0-48,9 min), 1 min (0,6-1,9 min), 9,4 min (6,1-17,6 min) und 455,8 mGy (286,8-602,3 mGy). KMMenge: 95 ml (90-113,3 ml).

Hinsichtlich der Lernkurve zeigte sich, dass mit zunehmender Erfahrung die Gesamtuntersuchungszeit und die Durchleuchtungszeit beim TRA besser waren als beim TFA. So ist der TRA eine vernünftige Alternative zum TFA bei der angiographischen Hirnuntersuchung. Die Methode zeigt weniger Nebenwirkungen und lässt sich relativ rasch erlernen.

 

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Chordoma of the corpus callosum: Case report

Journal of Neurosurgery, Vol. 131, November 2019. S. 1380-1386
L. Rinaldo et al., Mayo-Clinic, Rochester

Es wird über einen 60-jährigen Mann berichtet, der örtlich desorientiert war und über Schwierigkeiten beim Rechnen und bei der Worterinnerung klagte, aber keine neurologischen Defizite aufwies. Die MRT zeigte einen randanreichernden Tumor im Splenium corporis callosi, der in beide Ventrikel eingebrochen war. Es handelte sich um ein isoliertes Chordom. Der Tumor wurde total operiert und nachbestrahlt, der Patient verstarb jedoch an einer ausgedehnten Gehirn-Metastasierung. In der Literatur sind 61 derartige Fälle beschrieben.

Normalerweise entstehen Chordome aus den chordalen Überresten entlang des axialen Skeletts, wobei allerdings auch intrakranielle Chordome beschrieben wurden. Es wird über einen außergewöhnlich seltenen Fall eines primären Chordoms im Corpus callosum berichtet. Es handelte sich um einen 69-jährigen Mann, der örtlich desorientiert war. Er klagte über Schwierigkeiten beim Rechnen und bei der Worterinnerung. Neurologisch hatte er keine Defizite.

Ein Kopf-CT zeigte rechtsseitig eine hypointense Masse innerhalb des Corpus callosum, die in beide Ventrikel eingebrochen war. Die MRT zeigte einen randanreichernden, zystisch erscheinenden Tumor, der mit erweiterten beidseitigen internen Zerebral-Venen und der Galen-Vene assoziiert war. Diese Untersuchungen ließen auf ein Glioblastom schließen. Bei einer operativen Gewebeentnahme wurde histologisch ein anaplastisches Chordom diagnostiziert. Bei einer Kontroll-MRT wurde kein zusätzlicher Tumor im Skelettbereich gefunden.
Es erfolgte eine Totalresektion des Tumors mit nachfolgender fraktionierter Protonen-Beam-Radiotherapie (70 Gy). Es entwickelte sich eine tiefe Unterschenkel-Thrombose, die eine Antikoagulantien-Therapie erforderlich machte. Dabei entwickelte der Patient ein subdurales Hämatom, das drainiert wurde. Acht Monate nach der ersten OP zeigte die MRT zahlreiche Metastasen periventrikulär sowie eine Ventrikulomegalie, sodass die Bestrahlungen eingestellt wurden. Der Patient verstarb.

In der Literatur wurde in 47 Artikeln über 61 Fälle von primär intraduralen Chordomen berichtet. In 30 Fällen waren die Chordome im präpontinischen Bereich ventral des Hirnstammes lokalisiert. 19 Fälle lagen im intra- und suprasellären Bereich, ein Fall im Hypothalamus mit Ausbreitung in den dritten Ventrikel. Die übrigen Fälle waren unterschiedlicher Herkunft. Der vorliegende Fall zeigt erstmalig den Ursprung eines Chordoms im Corpus callosum.

 

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Screening for brain metastases in patients with stage III non-small-cell lung cancer, magnetic resonance imaging or computed tomography? A prospective study

European Journal of Cancer, Vol. 115, Juli 2019, S. 88-96
J. Schoenmaekers et al., Maastricht, Heerlen, Venlo/Holland

 

Bei 149 Patienten mit einem non-small-cell-Lungenkarzinom (NSCLC) Stadium III ließen sich mittels KM-CT in acht Fällen (7%) Hirnmetastasen (HM) nachweisen. Sieben Patienten (4,7%) hatten im MRT Hirnmetastasen ohne Läsionen im KM-CT. Acht von 114 Patienten (7%) entwickelten ein Jahr nach einem negativen MRT Hirnmetastasen. Bei allen Patienten mit einem NSCLC Stadium III sollte immer eine MRT des Gehirns durchgeführt werden.

Hirnmetastasen (HM) treten häufig (ca. 20%) bei non-small-cell-Lungenkarzinomen (NSCLC) auf. Zur Diagnostik eignen sich sowohl KM-PET/CT als auch die MRT. In der vorliegenden prospektiven multizentrischen Studie wurden von Dezember 2012 bis Oktober 2017 149 Patienten mit einem extrakranialen Stadium III mittels KM-PET/CT als Basis untersucht, mit der Fragestellung, ob die KM-PET/CT oder die KM-MRT die Hirnmetastasen besser erkennen lässt und wie hoch der Prozentsatz von Patienten mit HM beim MRT ist, die bei der KM-PET/CT keine HM aufwiesen. Außerdem sollte der Prozentsatz von Patienten mit HM ermittelt werden, die ein Jahr vorher ein negatives MRT gezeigt hatten.

Von den 149 Patienten hatten sieben Patienten (4,7%) HM im MRT, ohne dass Läsionen beim KM-PET/CT nachzuweisen waren. 118 Patienten wurden nach einem Jahr kontrolliert (vier Patienten hatten bei der ersten MRT-Untersuchung bereits HM). Acht Patienten dieser restlichen 114 Patienten (7%), bei denen die Basis-MRT-Untersuchungen keine HM aufwiesen, entwickelten symptomatische HM innerhalb eines Jahres. Obwohl bei 7% der 149 NSCLC-Patienten im Stadium III mittels KM-PET/CT HM entdeckt wurden, konnten durch MRT zusätzlich bei sieben Patienten (4,7%) HM nachgewiesen werden.

Insgesamt ist die MRT zur Diagnostik von Hirnmetastasen bei Patienten mit NSCLC also effektiver als die KM-PET/CT.

 

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CT-guided chemical thoracic sympathectomy versus botolinum toxin type A injection for palmar hyperhidrosis

The Thoracic and Cardiovascular Surgeon, Vol. 67, August 2019, S. 402-406
H.Yang et al., Guanzhou/China

Für die Behandlung der seltenen Palmar-Hyperhidrose war bisher die CT-geführte thorakale Sympathektomie (TS) das Mittel der Wahl. Neuerdings kommt die Botolinum-Injektion (BTX-A) in Betracht. Beim Vergleich beider Methoden zeigte sich zunächst ein schneller Erfolg nach einer bis zwei Wochen. Nach einem Jahr kam es in der TS-Gruppe zu keinem Schwitz-Rezidiv. Allerdings traten in 32% der Fälle Komplikationen auf (zweimal ein Pneu, viermal eine Taubheit des Oberarms, zweimal ein Horner-Syndrom). In der BTX-A-Gruppe gab es keine Komplikationen, aber nach sechs Monaten zeigte sich in 80,8% ein Schwitz-Rezidiv.

In einer Normalpopulation beträgt die Häufigkeit einer Palmar-Hyperhidrose zwischen 1% und 5,3%. Während die thorakale Sympathektomie (TS) bisher die beste Behandlungsmöglichkeit darstellte, kommt neuerdings die Botolinum-Toxin-Typ A (BTX-A)-Injektion in Betracht. In der vorliegenden Studie sollten beide Methoden miteinander verglichen werden.

Es handelte sich um 51 Patienten, die von März 2013 bis April 2016 behandelt wurden. Die Schwere der Hyperhidrose wurde mittels einer Skala von 1 bis 3 gemessen (HDSS), die nach Befragung der Patienten ermittelt wurde. 25 Patienten erhielten eine TS, davon waren acht Patienten männlich und 17 Patienten weiblich mit einem Durchschnittsalter von 22,5 +/-9,2 Jahren.

In der BTX-A-Gruppe befanden sich 26 Patienten (neun Männer und 17 Frauen) mit einem Durchschnittsalter von 21,3+/-8,7 Jahren. Bei ihnen wurde eine Nervenblockade im Plexus brachialis durchgeführt, wobei das Injektionsfeld mit „gentian-violet dye“ markiert wurde. Die CT-geführte chemische Sympathektomie erfolgte liegend. Die TH2- und die TH4-Höhe wurden CT-mäßig erfasst und auf der Haut markiert. Gleichzeitig wurden die Tiefe und der Punktionswinkel gemessen. Bei korrekter Nadellage wurde ein Depot aus 1 ml Iopamidol und 1 ml 2%iges Lidokain injiziert. Bei richtiger Lage des Depots wurde die Handfläche trocken und die Hauttemperatur erhöhte sich nach fünf Minuten. Danach wurden 2 ml 100%iger Alkohol injiziert.

Bei beiden Gruppen zeigte sich ein schneller Erfolg nach einer bis zwei Wochen mit einer signifikanten Besserung der Beschwerden. Nach drei Monaten trat in der BTX-A-Gruppe bei 16 Patienten (61,5%) wieder ein vermehrtes Schwitzen auf, bei 21 Patienten nach sechs Monaten (80,8%). In der TS-Gruppe zeigte sich nach einem Jahr kein Rezidiv. Dafür kam es häufiger zu Komplikationen: Zwei Patienten (8%) zeigten einen geringen Pneu, vier Patienten (16%) entwickelten nach zwei bis drei Monaten ein Taubheitsgefühl des Oberarms und zwei Patienten (8%) bekamen nach einem Monat ein Horner-Syndrom.

In der BTX-A-Gruppe wurde bei fünf Patienten (20%) eine subkutane Ekchymose und bei sieben Patienten (28%) eine Ermüdung der kleinen Handmuskeln beobachtet, die sich nach zwei bis drei Wochen zurückbildete.

Insgesamt ist festzustellen, dass beide Methoden für die Behandlung der palmaren Hyperhidrose sicher und technisch gut durchzuführen sind. Die Sympathektomie ist effektiver als die BTX-A-Methode, sie hat eine längere Wirkungsdauer, weist aber auch mehr Komplikationen auf.

 

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Endovascular treatment of iliac artery stenosis caused by Takayasu arteriitis: A 10 year experience

Journal of Endovascular Therapy, Vol. 26, Dezember 2019, S. 810-815
H. Dong et al., Peking

Neben dem transfemoralen Zugang (TFA) bei der Zerebral-Angiographie kommt neuerdings der transradiale Zugang (TRA) zur Anwendung. Beim Vergleich beider Methoden zeigte sich beim TFA ein technischer Prozesserfolg von 96%, beim TRA ein solcher von 92%. Mit zunehmender Erfahrung nimmt die Gesamtuntersuchungszeit und die Durchleuchtungszeit beim TRA ab, sodass diese Methode eine echte Alternative zum TFA darstellt.

Die Herzkatheter-Untersuchung mittels transradialem Zugang (TRA) hat gegenüber dem transfemoralen Zugang (TFA) einige Vorteile: geringere Patientenbelastung, geringere Komplikationen und eine höhere Erfolgsrate. In der vorliegenden Studie sollte für beide Methoden hinsichtlich der Zerebral-Angiographie eine Lernkurve bei Anfängern angefertigt werden.

Zwischen Februar 2016 und April 2017 wurden 101 Patienten in die Studie aufgenommen. Bei 51 Patienten kam der TFA zur Anwendung. Dabei handelte es sich um 40 Männer (78,4%) und um 11 Frauen (21,6%) mit einem Durchschnittsalter von 67 Jahren. Bei 50 Patienten kam der TRA zur Anwendung. Dabei handelte es sich um 41 Männer (82%) und um neun Frauen (18%) mit einem Durchschnittsalter von 68 Jahren.

Die technische Erfolgsrate beim TRA betrug 92%, beim TFA 96%. In beiden Gruppen gab es je drei technische Fehler, wobei es sich um Punktionsfehler handelte, die durch den Lehrer bereinigt wurden. Bei den 51 TFA-Fällen betrug die Gesamtprozedurdauer 35 min (30-47,5 min), die Punktionszeit 0,6 min (0,5-11 min), die Durchleuchtungszeit 10,3 min (7,6-13,6 min) und die Strahlenbelastung 390,2 mGy (268,2-617,9 mGy). Es wurden durchschnittlich 105 ml Kontrastmittel (92-120 ml KM) verbraucht. Die entsprechenden Werte für die Patienten mit TRA waren: 31,0 min (25,0-48,9 min), 1 min (0,6-1,9 min), 9,4 min (6,1-17,6 min) und 455,8 mGy (286,8-602,3 mGy). KM-Menge: 95 ml (90-113,3 ml).

Hinsichtlich der Lernkurve zeigte sich, dass mit zunehmender Erfahrung die Gesamtuntersuchungszeit und die Durchleuchtungszeit beim TRA besser waren als beim TFA. So ist der TRA eine vernünftige Alternative zum TFA bei der angiographischen Hirnuntersuchung. Die Methode zeigt weniger Nebenwirkungen und lässt sich relativ rasch erlernen.

 

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Screening for abdominal aortic aneurysm: US preventive services task force recommendation statement

JAMA, Vol. 322, Dezember 2019, S. 2211-2218

D.K. Owens, Stanford/USA

Der größte Prädiktor für Größenwachstum und Ruptur-Rate eines abdominalen Aorten-Aneurysmas (AAA) ist das Rauchen. Eine positive Familienanamnese mütterlicherseits erhöht das Risiko auf das Doppelte. Das jährliche Ruptur-Risiko bei einem AAA von 5,0-5,9 cm beträgt 11%. Die erste Screening-Methode bei Männern zwischen 65 und 75 Jahren zur Entdeckung eines AAA ist die abdominale Duplex-Sonographie. Ein selektiver therapeutischer Eingriff ist bei einem Aneurysma-Durchmesser von 5,5 cm oder darüber dringend notwendig.

Ein abdominales Aorten-Aneurysma (AAA) wird definiert als Aorten-Erweiterung von mehr als 3 cm Durchmesser. Die Prävalenz bei Männern über 60 Jahre beträgt bis zu 7,2%. Die meisten AAA sind bis zur Ruptur asymptomatisch. Die wichtigsten Risikofaktoren sind Alter, Geschlecht, Rauchen, andere Aneurysmen, Atherosklerose, Hypercholesterinaemie und Bluthochdruck. Dabei ist Rauchen jedoch der größte Prädiktor für Größenwachstum und Ruptur-Rate eines AAA. Eine positive Familien-Anamnese mütterlicherseits erhöht das Risiko auf das Doppelte.

Die erste Screening-Methode zur Entdeckung eines AAA bei Männern zwischen 65 und 75 Jahren ist die konventionelle abdominale Duplex-Sonographie. Sie hat eine Sensitivität von 94-100% und eine Spezifität von 98-100%. Bei Männern mit anfangs normalem Befund beträgt die Sterblichkeit in der Zeit von 5-12 Jahren weniger als 3%. Bei Patienten mit einem AAA-Durchmesser von 3-3,9 cm ist das jährliche Ruptur-Risiko 0%, bei einem Durchmesser von 4,0-4,9 cm 1%, bei einem Durchmesser von 5,0-5,9 cm 11%. Ein therapeutischer Eingriff ist unbedingt notwendig bei einem Durchmesser von 5,5 cm oder darüber. Bei schnell wachsendem AAA ist ein Eingriff bei einem Durchmesser von 4,0 cm notwendig. Die meisten durch Screening entdeckten AAA (90%) haben einen Durchmesser von 3,0-5,5 cm.

Bei Frauen ist die Prävalenz von AAA geringer als bei Männern (1,3%). Ein Viertel bis ein Drittel der Frauen mit AAA haben einen Aorten-Durchmesser unterhalb der Ruptur-Schwelle von 5,5 cm. Das OP-Risiko bei Frauen ist jedoch höher als bei Männern. Zwischen einer offenen Operation und einer endovaskulären Behandlung ergaben sich keine Unterschiede hinsichtlich klinischer Symptome oder Mortalität.

Insgesamt ist ein US-Screening hinsichtlich eines AAA bei Männern zwischen 65 und 75 Jahren, die geraucht und eine positive Familienanamnese haben, empfehlenswert. Bei Nichtrauchern ohne Familienanamnese hat es nur einen geringen Nutzen. Bei Frauen ist das Screening zwischen 65 und 75 Jahren nur sinnvoll, wenn sie rauchen oder eine positive Familien-Anamnese haben.

 

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Glia-Choristom – Ein seltener Befund im Mittelohr

Laryngo-Rhino-Otologie, Vol. 99, Februar 2020, S. 108-110

V.R. San Jose et al., Traunstein

Choristome sind Tumoren aus Gewebezellen, die in dem betroffenen Körperteil nicht vorkommen. Bei einer 65-jährigen Frau mit Verdacht auf chronische Mittelohrentzündung ergab die CT des Felsenbeins eine Verschattung des Mastoids und der Paukenhöhle. Nach der Mastektomie ergab die Histologie ein Glia-Choristom des Mittelohrs. Es handelte sich um einen gutartigen ektopen Tumor von reifem neuronalem Gewebe ohne Verbindung zum ZNS. Die Patientin war postoperativ beschwerdefrei.

Fallbeschreibung: Eine 65-jährige Frau klagte in der Praxis über rezidivierende Schmerzen am re. Ohr. Seit sechs Jahren habe sie ein Druckgefühl und eine Otorrhoe rechts sowie Schwindelanfälle seit einem Jahr. Eine abstrichgerechte Antibiotika-Therapie ergab keine Besserung. Eine CT des Felsenbeins ergab eine vollständige Verschattung des Mastoids und der Paukenhöhle. Wegen der vergeblichen konservativen Therapieversuche wurde eine Mastektomie durchgeführt. Dabei zeigte sich eine glasig-polypöse Gewebe-Ummauerung der Gehörknöchelchen-Kette, wovon ein Teil abgetragen wurde. Histologisch ergab sich ein Glia-Choristom des Mittelohres. Dieses heterogene Gehirngewebe war nicht maligne. Es wurde saures Gliafaser-Protein nachgewiesen. Dieses Protein ist im Zytoplasma von Glia-Zellen zu finden. Sechs Monate postoperativ war die Patientin beschwerdefrei. Mittels MRT konnte eine Enzephalozele ausgeschlossen werden.

Grundsätzlich sind die Symptome eines Glia-Choristoms unspezifisch. Eine Leitlinie für Diagnose und Therapie liegt wegen der Seltenheit des Vorkommens nicht vor. Choristome sind Tumoren aus Gewebezellen, die im betroffenen Körperteil nicht vorkommen. Von den Choristomen im Mittelohr gibt es drei Typen: Speicheldrüsen-Choristome, Talgdrüsen-Choristome und Glia-Choristome. Letztere sind sehr selten. Es handelt sich um ektope Tumoren von reifem neuronalem Gewebe ohne Verbindung zum ZNS.

Bisher sind 33 Fälle beschrieben worden. Ihre Entstehung ist unklar: Es kann sich um eine Variante einer Enzephalozele handeln, oder es kann während der embryonalen Entwicklung zu einer Fehlplatzierung von neuroektodermalen Zellen gekommen sein. Trotz KM-CT und KM-MRT (verschattete Paukenhöhle, Kontinuität der Schädelknochen) lässt sich die Diagnose erst postoperativ mittels Histologie sichern.

 

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Comparative analysis of cerebral magnetic resonance imaging changes in nontreated infantile, juvenile, and adult patients with Niemann-Pick disease type C

Neuropediatrics, Vol. 51, Februar 2020, S. 37-44
J. Gburek-Augustat et. al., Tübingen, Leipzig

Das Niemann-Pick-Syndrom ist eine genetisch bedingte Speichererkrankung mit intrazellulären Cholesterin-Transport-Störungen und einer Cholesterin-Retention. Es kommt zu viszeralen, neurologischen und psychiatrischen Symptomen. MRT-Untersuchungen an 19 Patienten zeigten eine Atrophie des Vermis cerebelli, eine zerebrale Atrophie, eine Verdünnung des Corpus callosum sowie eine Volumenänderung der grauen Substanz, unterschiedlich ausgeprägt in den verschiedenen Altersgruppen.

Bei der Niemann-Pick Typ C (NPC)-Erkrankung handelt es sich um eine seltene, autosomal-rezessiv vererbbare lysosomale Speicherkrankheit mit einer Prävalenz von 1:120.000 Lebend-Geburten. Biallele Mutationen in den NPC1- oder NPC2-Genen führen zu Störungen im intrazellulären Cholesterin-Transport mit konsekutiver Cholesterin-Retention innerhalb der Spätendosomen und der Lysosomen. Es kommt zu einem neuralen Verlust in Verbindung mit dem charakteristischen Verlust der Purkinje-Zellen im Zerebellum.

NPC verläuft klinisch sehr heterogen mit viszeralen, neurologischen und psychiatrischen Symptomen. Spezifische Zeichen sind vertikale Blickstarre, Lachzwang und Kataplexie. Im Laufe der Erkrankung verlieren die Patienten kognitive und motorische Funktionen. Auch zeigen sich Zeichen einer Demenz und psychiatrische Probleme. Nicht selten kommt es zu Anfällen und Bewegungsstörungen wie Ataxie, Dystonie und Spastik.

Abhängig vom ersten Auftreten von Symptomen hat man bei 19 Patienten unterschieden: eine frühkindliche Form (bis zwei Jahre, sechs Fälle), eine spätkindliche Form (zwei bis sechs Jahre, drei Fälle), eine juvenile Form (sechs bis 15 Jahre, vier Fälle) und eine erwachsene Form (>15 Jahre, sechs Fälle). Bildgebende Verfahren sind für die Frühdiagnose unerlässlich, da eine Behandlung mit Miglustat möglich ist.

Ziel der Untersuchung war es, krankheitsspezifische MRT-Veränderungen bei Kindern im Vergleich zu Erwachsenen zu eruieren. Insgesamt wurden zwischen 1997 und 2015 32 MRT-Untersuchungen von 19 Patienten ausgewertet. Dabei wurde ein Scoring-System mit drei Kategorien eingeführt: Verschiedene Areale waren entweder normal (0) oder zeigten pathologische Veränderungen (1 oder 2).

MRT-Veränderungen bei Erwachsenen schließen eine Atrophie des Vermis cerebelli, eine zerebrale Atrophie, eine „Verdünnung“ des Corpus callosum sowie eine fokale Volumen-Änderung der grauen Substanz ein. MRT-Veränderungen der weißen Substanz (WM) wurden außer bei den jüngsten Patienten bei allen anderen Altersgruppen gefunden. Diese Veränderungen waren charakterisiert durch verschwommene Bilder und leichte Hyperintensitäten in den axialen T2-Sequenzen. Der WM-Score stieg vom Kindesalter bis zum Erwachsenenalter an.
Die Atrophie war ein prädominantes Merkmal in der Erwachsenengruppe. Juvenile und erwachsene Patienten zeigten eine Kombination von infra- und supratentorieller Hirnatrophie. Die Atrophie-Muster waren jedoch in den Altersgruppen unterschiedlich. Veränderungen der weißen Substanz wurden häufig frühzeitig festgestellt, ebenso die supratentorielle Atrophie. Die beschriebenen MRT-Merkmale stellen einen unabhängigen Biomarker für Patienten mit NPC dar.

 

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Left ventricular mass at MRI and long-term risk of cardiovascular events: The multi-ethnic study of atherosclerosis (MESA)

Radiology, Vol. 293, Oktober 2019, S. 107-114

N. Kawel-Boehm et al., Chur/Schweiz

 

In der MESA-Studie wurde bei 4988 Patienten ohne Herzerkrankung mittels MRT die Herzwandverdickung bestimmt. Nach 15 Jahren hatten 1097 Patienten (22%) mit einer LV-Wandverdickung einen schweren Herz-Event (HE), Patienten ohne LV-Wandverdickung nur in 6% der Fälle. Die Sterberate lag mit einer HE bei 10%, ohne HE unter 2%. Eine LV-Wandverdickung ist insgesamt ein größerer Prädiktor für eine schwere Herzerkrankung als der Kalk-Score.

 

Um die Langzeitauswirkung einer LV-Herzwandverdickung bewerten zu können, und zwar hinsichtlich kardiovaskulärer Events, wurden in der MESA-Studie 4988 Menschen mittels HERZ-MRT untersucht. Es sollten die Langzeitrisiken einer LV-Hypertrophie festgestellt werden mit der Fragestellung, ob die LV-Hypertrophie ein Vorhersage-Faktor für kardiovaskuläre Erkrankungen darstellt. Auch der Zusammenhang zwischen einer LV-Herzwandverdickung und dem Kalk-Score wurde untersucht.

MESA ist eine Langzeit-Kohorten-Studie ab Juli 2000. 4988 Patienten aus sechs USA-Universitätskliniken erhielten eine MRT-Herzuntersuchung, um die LV-Wanddicke zu bestimmen. Bei der Erst-Untersuchung lag das Alter der Teilnehmer zwischen 45 und 84 Jahren. Short-Axis-Bilder wurden zur Messung akquiriert mittels cine-fast-gradient-echo-Sequenzen mit einer zeitlichen Auflösung von 40 msec. Die LV-Wanddicke wurde am Ende der Diastole als Differenz zwischen endokardialen und epikardialen Konturen ermittelt.

 

Bei den 4988 Teilnehmern handelte es sich um 52% Frauen (n=2594) und um 48% Männer (n=2394). Das Durchschnittsalter betrug 62 Jahre. Von den 4988 Teilnehmern bekamen 215 (4,3%) verschiedene Herzerkrankungen, 290 (5,8%) eine schwere koronare Herzerkrankung (KHE), davon 207 einen Myokardinfarkt. 95 Teilnehmer starben an einer KHE, 57 an anderen Herzerkrankungen. Teilnehmer mit einem Herz-Event waren älter, hatten einen höheren „body-mass-index“, litten häufiger an Diabetes und Bluthochdruck, sie waren häufiger Raucher und hatten einen höheren Koronar-Kalk-Score als Patienten ohne Herz-Event.

 

Nach 15 Jahren hatten 1097 Patienten (22%) der MESA-Teilnehmer mit einer LV-Wandverdickung einen schweren Herz-Event, verglichen mit 6% der Teilnehmer ohne Wandverdickung. Die Todesrate bei Patienten mit Herz-Event betrug 10%, ohne Herz-Event weniger als 2%.

 

Insgesamt ist festzustellen, dass eine LV-Hypertrophie einen unabhängigen Vorhersagefaktor für einen schweren Herz-Event darstellt, einschließlich Myokardinfarkt und KHE-Todesfälle. Sie ist ein größerer Prädiktor für einen Herz-Event als der Kalk-Score. Eine LV-Hypertrophie ist allerdings bei entsprechender Behandlung potenziell reversibel.

 


 

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Clinical utility of 18F-FDG PET/CT for patients with recurrent head and neck squamous cell carcinoma

Acta Oto-Laryngologica, Vol. 139, September 2019, S. 810-815

 S. C. Ha et al., Seoul

 

Zur Darstellung von Fernmetastasen eines „head and neck“-Karzinoms eignet sich am besten die PET/CT. Im Vergleich mit CT- und knochenszintigraphischen Untersuchungen ergab die Detektion von Lungen- und Knochenmetastasen keine Unterschiede. Weitere Metastasen anderer Lokalisationen wurden nur durch PET/CT entdeckt. Ein niedriger SUVmax signalisierte eine bessere Überlebensrate nach einem Rezidiv.

 

Fernmetastasen eines „head and neck“-Karzinoms (HNSCC) sind eine fatale Komplikation und können relativ spät auftreten. Die Inzidenz von Fernmetastasen beträgt zwischen 4,2% und 23,8%. Sie steigt an mit Eintreten eines Rezidivs auf bis zu 57%. Die durchschnittliche Überlebensrate beträgt bei diesen Patienten 7,5% und die Zwei-Jahres-Überlebenszeit liegt bei 26,2%. Daher ist es notwendig, eine geeignete und schnelle Methode zur Entdeckung von Fernmetastasen anzuwenden, um eine entsprechende Therapie durchführen zu können. Dazu ist am besten die 18F-FDG PET/CT geeignet.

 

95 Patienten wurden in dieser Studie ausgewertet, und es erfolgten Untersuchungen mittels PET/CT, Thorax-CT und Knochenszintigraphie. Es handelte sich um 79 Männer (83,2%) und 16 Frauen (16,8%) mit einem Durchschnittsalter von 64 Jahren (27-84 Jahre). Am häufigsten betroffen war der Larynx (44,2%), gefolgt von der Mundhöhle (29,5%), dem Oropharynx (16,8%) und dem Hypopharynx (9,5%). Bei 32 Patienten (33,7%) wurden Fernmetastasen diagnostiziert: bei 26 Patienten (81%) in der Lunge, bei 11 Patienten (34%) in den Knochen, bei 11 Patienten (34%) im Mediastinum, bei zwei Patienten (6%) in der Leber und bei 11 Patienten (34%) an unterschiedlichen Lokalisationen.

Die Werte für Sensitivität, Spezifität, Genauigkeit (accuracy), positiven und negativen Vorhersagewert von PET/CT betrugen 89,6%, 100%, 98,2%, 100% und 97,9%. Die Vorhersagewerte von Thorax-CT und Knochenszintigraphie betrugen 93,8%, 99,2%, 98,2%, 95,7% und 98,7%. Während die diagnostische Genauigkeit von PET/CT vergleichbar war bei Patienten mit Lungen- und Knochenmetastasen, konnten mittels PET/CT zwei weitere Metastasen entdeckt werden.

 

Ein SUVmax>8,7 bei Patienten mit einem Rezidiv war signifikant assoziiert mit einer geringen Überlebensrate. Diese Patienten hatten ein dreimal so großes Sterberisiko (14,1 Monate nach Rezidiventdeckung) wie Patienten mit einem SUVmax<8,7 (42,1 Monate). Dieser Unterschied war signifikant.

 

Während Lungen- und Knochenmetastasen durch Thorax-Aufnahmen und Knochenszintigraphie gut diagnostiziert werden, können mittels PET/CT zusätzlich Metastasen anderer Lokalisationen diagnostiziert werden. Außerdem ist bei einem niedrigen SUVmax eine bessere Überlebensrate nach einem Rezidiv zu erwarten.

 


 

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