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Aus den Vollversammlungen

Mitte Juni fanden die Vollversammlungen der regionalen Netze statt. Im Fokus stand das Thema „Dosismanagement“.

Zusammenfassung der Diskussion zum Schwerpunktthema „Dosismanagement“ – Stand Pilotprojekte in den DeRaG-MVZ

Die Strahlenschutzverordnung mit der Vorgabe für ein für radiologische Praxen verbindliches Dosismanagement zur Minimierung der Dosiswerte tritt ab 31.12.18 in Kraft. Die Verordnungsdetails (verbindliche Höchstwerte, Umfang der Dokumentation und Information, Art der Einbindung des Medizinphysikexperten, Modalitäten (CT und Interventionen, ab wann auch Röntgen, Mammographie)) werden erst im Oktober im Bundesrat beschlossen. Die Prüfung der Einhaltung der Verordnung ist noch zu regeln und die Verfügbarkeit der künftig erforderlichen Medizinphysikexperten noch offen. Zur Entspannung der Vorbereitung trägt bei, dass zunächst nur für Hochdosisgeräte, die ab dem 1.1.2019 eingebracht werden, ein Medizinphysikexperte zwingend hinzugezogen werden muss.

Die DeRaG-MVZ haben begonnen, sich mit dem Thema Dosismanagement zu beschäftigen, und im 1. Quartal 2018 Produkttests mit Teamplay/ Siemens und DoseM/Infinitt durchgeführt, deren Ergebnisse Andrea Salwat beziehungsweise Timo Neuhaus (DeRaTek) vorstellten (siehe auch Berichterstattung im CuraCompact 2/2018). Das Anbieterspektrum ist breit, eine Netzumfrage ergab, dass mehr als die Hälfte der Netzmitglieder eine Software für Dosismanagement beschaffen will, aber noch keine Produkt-Entscheidung getroffen hat.

Die Erfahrungen mit bisher erfolgten Produkttests lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Mit den in den letzten drei bis vier Jahren in München und Hamburg beschafften CT-Geräten konnten die Referenzwerte erreicht beziehungsweise unterschritten werden. Einzelne Überschreitungen der Werte konnten durch Protokollanpassungen reduziert werden.
  • Die Einführung einer Software ist nicht explizit vorgeschrieben, bietet sich aber aus Effizienzgründen an.
  • Ein intuitives System mit Automatismen spart den Nutzern (MTRA, Radiologen) Zeit bei der Einführung und in der Routine.
  • Anwendertests offenbaren Stärken und Schwächen der einzelnen Software-Produkte.
  • Cloud-basierte Systeme (z.B. Teamplay von Siemens) ziehen zusätzliche Einwilligungserklärungen von Patienten nach sich (Datenschutz/DSGVO).
  • Ein Kostenvergleich sollte mehrere Jahre umfassen und sich nicht nur auf die Kosten der Erstinstallation beziehen, da sich höhere Anfangsinvestitionen bei niedrigen Folgekosten rechnen können.

Zum Abschluss der Diskussion wurde Folgendes beschlossen:

  • Die DeRaG wird einen weiteren Produkttest (Radimetrics/Bayer) durchführen.
  • Die auf den Vollversammlungen anwesenden Netzmitglieder sind überwiegend an einer Gruppenbeschaffung eines praxistauglichen Systems (gutes Zeit-Kosten-Nutzen-Verhältnis) interessiert. Auf Basis eines verbindlichen Mandats der interessierten Praxen wird das DeRaTek-Team durch Verhandlung attraktiver Beschaffungskonditionen unterstützen. Dabei wird versucht, der Netzvielfalt (unterschiedliche Geräte-, RIS-, PACS-Systeme in den Praxen) Rechnung zu tragen. Hierfür wird das DeRaTek-Team in der zweiten Jahreshälfte alle Praxen anschreiben.

Fallstudie Dienstplanung – Beispiel Diagnostik München

Am Beispiel der Diagnostik München wurde vorgestellt, wie man versucht, mit bestehendem Ärztebestand Wachstum zu bewältigen (neue Standorte, Ausweitung der Öffnungszeiten, Ausschöpfung der Fallgrenze). Verschiedene Ansatzpunkte zur Optimierung des Dienstplans stehen zur Verfügung, wie zum Beispiel die Erhöhung der Produktivität (Untersuchungen/Befunde pro Stunde bis zur Erreichung des Fachgruppendurchschnitts) und Minimierung von Schichtüberschneidungen.

Der aus Praxissicht ideale Personalrahmenplan bleibt dabei eine Zielvorgabe. Je gleichartiger die Arbeitsverträge der Mitarbeiter sind, desto einfacher kann geplant und auch der entsprechende Plan umgesetzt werden. Der Praxisalltag zeigt, dass in vielen Fällen der aus planerischer Sicht gewünschten Gleichartigkeit individuelle Vereinbarungen mit Mitarbeitern entgegenstehen, die der Mitarbeiterzufriedenheit dienen, aber der Praxiseffizienz (Schlagzahl und Kosten) entgegenlaufen können, z.B. Gerätebetriebs- und Schichtzeiten, die vor den vertraglich vereinbarten Arbeitszeiten beginnen oder danach enden. In MVZ mit ausschließlich angestellten Mitarbeitern scheint das Problem virulenter als in Freiberufler-Praxen und die Kennzahl „Arztbefunde pro Stunde“ entsprechend niedriger zu sein. Aber auch in den Praxen der Anwesenden variiert die zuletzt genannte Kennzahl sehr in Abhängigkeit von der Art der Untersuchung, vom Modus, wie Arzt-Patienten-Gespräche umgesetzt werden, und vom persönlichen Stil jedes einzelnen Radiologen.

Bericht aus der Berufspolitik

Seit Mai 2018 liegt dem G-BA ein Gutachten zur Weiterentwicklung der Bedarfsplanung zur Sicherung der vertragsärztlichen Versorgung vor. Dieses soll die Fragen beantworten, wie der Versorgungsbedarf der Bevölkerung objektiv gemessen werden kann, welche Arztkapazitäten erforderlich sind, um den Versorgungsbedarf zu decken und wie diese regional verteilt werden müssen, um einen angemessenen und vergleichbaren Zugang zur Versorgung sicherzustellen. Für die Radiologie ist dabei interessant, dass es neben einer einfacheren Sitzverlegung, wenn die Versorgung damit verbessert wird, durch sektorenübergreifende Planung zu einer zunehmenden Konkurrenz mit Krankenhaus-Radiologien kommen kann. Ob und wie das Gutachten in die Wirklichkeit umgesetzt wird, ist offen.

Stand der Kontrastmittel-Ausschreibungen

Verschiedene Netzpraxen der Regionen Rheinland-Pfalz und Nordrhein haben auf ein AOK-Angebot an die KV bezüglich eines Wechsels vom Ausschreibungs- auf ein Pauschalsystem für Kontrastmittel hingewiesen. Nach Berichten anwesender Netzradiologen gab es ein Votum für den Wechsel seitens der Radiologen. Für Radiologen wird dadurch die Therapiefreiheit wieder größer – eingeschränkt höchstens durch den wirtschaftlichen Druck der Höhe der Pauschalen und der Kontrastmittel-Einkaufspreise. Durch die Bündelung der Volumina, ggf. über ein konsentiertes Kernsortiment im Radiologienetz, kann der Verbundeinkauf hier bei der Umsetzung von Pauschalen für die betroffenen Netzpraxen einen Beitrag zur Wirtschaftlichkeit leisten. Dabei kann auf jahrelange Erfahrungen aus anderen KV-Regionen mit dem Pauschalsystem (Hamburg, Westfalen-Lippe und Bayern) zurückgegriffen werden. Sobald das Thema entschieden und der Zeitpunkt der Umsetzung bekannt ist (wahrscheinlich 2019), wird der Verbundeinkauf auf die betroffenen Praxen mit einem konkreten Vorschlag zugehen.

Neues aus dem Netz

Seit Oktober 2016 bestand ein Rahmenvertrag mit Siemens, der bewiesen hat, dass der Netzzusammenhalt zu messbaren, finanziellen Vorteilen für jedes Mitglied führen kann (ca. 700.000 € pro Jahr Einsparungen für Netzmitglieder auf bestehende Wartungsverträge und 1,4 Mio. € brutto Beschaffungsvorteil bei Neugeräten seit Vertragsabschluss). Dieser Vertrag war von Siemens Healthineers einseitig Anfang des Jahres gekündigt worden. Ganz aktuell konnte er nun erfolgreich nachverhandelt werden mit dem Ergebnis, dass der CuraTOP weiterhin für Neugeräte von DeRaG-und Netzpraxen möglich ist. Auch für die Zukunft ist der Netzzusammenhalt wichtig, um die wertvollen realisierten Vorteile nicht zu gefährden. Aus Netz- und letztendlich auch aus Praxissicht ist daher eine Einbindung des DeRaTek-Teams bei Gerätebeschaffungen wünschenswert.

 

Ihre Ansprechpartner:

DeRaG
Dr. Johannes Schmidt-Tophoff
jst@curagita.com

Berufspolitik
Dr. Michael Kreft
mik@curagita.com

Organisation Vollversammlung
Eva Jugel
eju@curagita.com 

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